Menschen im Libanon, Interview #6 mit Alice Eddé, Besitzerin und Direktorin von EddéSands Hotel&Wellness Resort, Byblos • Beatrice Rieben

Menschen im Libanon, Interview #6 mit Alice Eddé, Besitzerin und Direktorin von EddéSands Hotel&Wellness Resort, Byblos

Was einem sofort ins Auge sticht, wenn man Alice Eddé begegnet, ist ihre Ausstrahlung und Klasse. Kombiniert mit dem Lachen eines jungen Mädchen, ist sie für mich eine der elegantesten Damen im Libanon. Ausserdem: sie sieht immer glücklich und zufrieden aus, und kümmert sich um andere. Das letzte Mal, als ich Alice traf, fiel mir auf, dass sie nebst französisch und englisch auch perfekt Deutsch spricht. Einfach mit einem schöneren Akzent als ich…  Heute habe ich mir vorgenommen, herauszufinden - welches Alice’ Geheimnis ist für ihre Zufriedenheit und warum sie akzentfrei Deutsch spricht.

Alice empfängt mich in einem der Restaurants im EddéSands Resort und während wir uns unterhalten, trinken wir “Wellness Wasser” (Notiz an mich selber: künftig mein langweiliges Wasser mit Erdbeere, Zitrone und Minze aufzupeppen)   

Alice, bitte erzähle aus deinem Leben
Ich wurde in St. Louis Missouri in den Vereinigten Staaten geboren und wuchs mit einem Bruder und einer Schwester auf. Mein Vater war Amerikanischer Militär und wir waren im Nachkrieg-Deutschland stationiert. So lernte ich also Deutsch mit meinem Kindermädchen. Später besuchte ich das Gymnasium in Bonn und studierte an der Dolmetscherschule in Zürich (!). Wir lebten auch in Italien und Holland, deshalb spreche ich auch italienisch. Nach meinem Studium – ich war immer schon abenteuerlustig und ein bisschen verrückt – sah ich dieses Stellenangebot in Iran zur Zeit von Schah Pahlavi und ging für ein Vorstellungsgespräch nach Bern (!) Eine Schweizer Tourimus Beratungsfirma suchte eine Französisch-Englisch-Übersetzerin um ihr Projekt einreichen zu können für den Masterplan der Entwicklung des damaligen Persien.  Ich bekam den Job und arbeitete anschliessend während zwei Jahren in Teheran für die Tourismus-Beratungs-Firma und bereiste den ganzen Iran. Danach fragte ich mich: „was jetzt?“ Ich nahm einen Atlas und schaute nach, was zwischen Iran und Bonn, Deutschland (wo meine Eltern damals immer noch wohnten) lag. Und so kam der Libanon ins Spiel. Der Plan war, dort zu starten und vom Libanon aus den Mittelmeer-Raum zu entdecken. Ich wollte all die Inseln Zypern, Rhodos, Korfu und ganz besonders Malta besuchen. Wie auch immer, ich traf dann Roger (meinen Ehemann) und meine Pläne änderten sich alsbald. Und ich blieb im Libanon hängen. Das alles war in 1973. Roger war ein angesehener junger Anwalt. Sein Büro in Beirut arbeitete im ganzen Raum des Mittleren Ostens.  Da er nur französisch sprach zu jener Zeit, kommunizierten wir in dieser Sprache und tun dies bis heute! 

Ein amerikanischer Architekt und Freund meines Vaters, George Hellmuth, wollte seine geschäftlichen Aktivitäten auf den Mittleren Osten erweitern, was damals sehr populär war. Zusammen mit seiner Frau kam er in den Libanon, um die Gegend kennen zu lernen. Sie fragten mich, ob ich ihnen bei ihrem grossen Projekt, der Universität von Riad, behilflich wäre. Das wohl prestigeträchtigste Projekt der 80er Jahre, und Roger war ihre Verbindung zum Mittleren Osten. So kam es, dass die Firma dieses Architekten (HOK) den enormen Auftrag bekam, um die Universität von Riad zu zeichnen und zu bauen, sowie den Flughafen Riad und viele weitere Projekte in Saudi Arabien. Mit all diesen Projekten machte George Hellmuth sich einen grossen Namen als Architekt. Ein weiteres seiner Meisterstücke ist der neue Flughafen in Doha, eben als drittbester der Welt gewählt. Mein Mann war ursprünglich ein internationaler Business-Anwalt, und zwischen 1975 und 2000 lebten wir im Ausland. Wir hatten Häuser in Kairo, Riad, Antibes in Südfrankreich, Paris und ein Stadthaus Washington, D.C. Dort empfingen wir regelmässig Diplomaten, Politiker, Staatsoberhäupter und Geschäftsleute von überall auf der Welt. Unser Haus war das Zuhause des politischen Aktivisten Roger Eddé, der fest dazu entschlossen war, die Sache eines freien Libanon zu verteidigen. Um es von endlosen Kriegen zu befreien und beschützen. Dabei war ich immer an seiner Seite, und bin es noch. 

2000 entschieden wir uns, in den Libanon zurück zu kehren. Wir planten, in der Region Byblos eine Media/New Tech City zu kreieren. Wie Silicon Valley. Es sollte ein Hub werden für Film Studios und Kreative. Leider kam das Projekt nicht zustande, aus politischen Gründen. Aber der visionäre Herrscher von Dubai, Scheich Mohamed al Makhtum, erkannte das avantgardistische Potential dieses Projekts und setzte es in seinem Land um. Ein riesengrosser Erfolg.

Als diese Türe zugeschlagen war, fragten wir uns, wie wir den Tourismus zurück in den Libanon bringen könnten. Wie könnte man den Libanon als Tourismus-Destination wieder zum Leben erwecken für Business, Kultur und Touristen? Wie könnte man das negative Image des kriegsversehrten Landes positiv verändern und damit sogar in Roger’s Heimatregion in Byblos neue Arbeitsplätze schaffen ?

Roger hatte seit 20 Jahren dieses Land am Strand von Byblos, und es lag brach. Also dachten wir uns: warum nicht dort an dieser privilegierten Lage ein Beach Resort bauen? Unsere amerikanischen Architekten-Freunde inspirierten uns, das EddéSands Hotel & Wellness Resort zu kreieren. Wir respektierten dabei die Umgebung und Geschichte der Region. Nur Natur-Steine kamen zum Einsatz sowie Pflanzen für den botanischen Garten. Wir liessen 500 Palmen aus Alexandrien in Ägypten in den Libanon verschiffen und exotische Ylang-Ylang Dächer aus Bali. 2003 fand die Eröffnung statt, ein riesiger Anlass mit dem amerikanischen Sänger Solomon Burke und seinem 13-Mann-Orchester. 

Ein Jahr darauf eröffneten wir éCafé im alten Souk von Byblos, den Bücherladen „Gibran’s Libanon“, ein italienisches Restaurant éForno, den Gewürzladen „Eddés Herbs“, ein libanesisches Restaurant ébaladi, etc. Die Idee war, Leben zurück in den verlassenen Souk zu bringen. Etwas zu kreieren, das ausländische Touristen und Arbeit für die lokale Bevölkerung nach Byblos bringen würde. 

Merkwürdigerweise bin ich kein grosser Fan der Sonne und versuche, direkte Sonnenbestrahlung zu vermeiden. Gewöhnlich gehe ich frühmorgens am Strand spazieren, dann schwimme ich eine Stunde lang. Meine vielen Angestellten sind für mich wie meine Kinder.   

Welches ist deine liebste Kindheits-Erinnerung?
Wahrscheinlich das Ostereier-Suchen, das eine grosse Sache war in Deutschland. Ich erinnere mich auch sehr gerne daran, wie wir Hilfspakete eingepackt haben für die ungarischen Flüchtlingskinder und auch wie wir uns als Kinder sehr bewusst waren, dass es Menschen gab, die weniger Glück hatten als wir. 

Welche Wünsche in deinem Leben haben sich noch nicht erfüllt?
(lacht herzlich) Ich war immer noch nie in Malta! 

Was gefällt Dir als Expat am Libanon, was weniger?
Ich liebe die traditionellen Dörfer und das einfache Leben, die einfachen Häuser. Ich liebe die alten Paläste, aber auch die kleineren, die reiche Geschichte des Landes, die historischen Orte in den Bergen. Ich teile dies gerne mit den LibanesInnen. Was ich weniger mag, ist die Tatsache, dass viele LibanesInnen einfach irgendwelchen ausländischen Trends folgen, anstatt ihre eigenen wertvollen Traditionen aufrecht zu erhalten. Sie sind mehr beeindruckt von dem, was ausserhalb ihres Landes passiert als von dem, was innerhalb geschieht. Ich würde mir wünschen, dass sie grössere soziale Verantwortung übernähmen und ein Bewusstsein für die Umwelt. 

Was vermisst Du als amerikanisch/europäischer Expat im Libanon?
Ich vermisse die amerikanische Offenheit und die leichtfüssige Art. Aus Europa vermisse ich den Markt mit dem frischen Gemüse. Wenn ich reise, ist dies immer der erste Ort, den ich aufsuche.  

Und nun kommt es: was ist das Geheimnis für deine unbeschwerte Art und deine Zufriedenheit? 
Zuallererst bin ich von Natur aus eine Frohnatur, was ich von meiner Mutter geerbt habe. Dann, als ich in Deutschland zur Schule ging, hatte ich eine Klassenkameradin, die ein schweres Leben hatte. Sie hatte beide Eltern verloren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Sie erzählte mir, dass sie sich jeden Morgen beim Aufwachen fragte: Auf was kann ich mich freuen heute ? Und es kam ihr immer etwas in den Sinn. Ich habe diese positive Art zu denken in mein Leben übernommen. 

Sehr zufrieden – ich habe ja auch allen Grund dazu – gehe ich zu meinem Liegestuhl zurück, bereits mit mehr als einem schönen Erlebnis: Der erste sonnige Tag nach einem garstigen Winter im schönsten Baderesort vom Libanon und ein inspirierendes Gespräch mit einer ausserordentlich interessanten Frau.
Wie kann es noch besser werden? 

VIP Pool-Bereich

Spa-Bereich

 People in Lebanon 
Interview #6 with Alice Eddé, Owner and Director at EddéSands  Hotel & Wellness Resort,  Byblos

What strikes you most, when you first meet Ms Alice Eddé: she is one of the most elegant ladies in Lebanon, combined with the laugh of a young girl. Besides that, she is always happy and cares about others. The last time I saw her I also realized that she spoke perfect German (with a way better accent than I have…), next to French and English. So today, I am going to find out – entre autre- about the secret of her happiness and why she is fluent in German. Alice receives me at the restaurant in her resort and we talk over “wellness water” (mental note to self to spice up my otherwise boring bottled water by adding some strawberries, lime and mint)

Alice, please tell me a little about your life
I was born in St. Louis Missouri in the United States and grew up with a brother and a sister. My father was American Military and we were stationed in Germany after the 2ndWorld War. So I learnt German from my “Kindermädchen” (nanny). I later went to Gymnasium (Lycée, High School) in Bonn and studied at the Dolmetscherschule (translator studies) in Zurich (!). We also lived in Italy and Holland, so I also speak Italian. After my studies – I was always very adventurous and a little crazy – I saw this job opportunity in  Iran at the time of Shah Pahlavi and went for a job interview in Bern (!). A Swiss Tourism Company Tourist Consult) was looking for a French-English translator to submit their project for the masterplan for the development of tourism for Imperial Iran. So I worked and travelled for the Tourist Consult company in Teheran for the next 2 years. After that I asked myself, “what’s next”? I looked at a map and wondered, what’s between Iran and Bonn,  Germany where my parents were still living at the time? Enters Lebanon. My plan was to go there first and travel all over the Mediterranean from there. I wanted to discover all the islands,  Cyprus, Rhodes, Corfu and especially Malta was my dream. However, as soon as I met Roger Eddé (my husband) my plans changed. I simply stayed in Lebanon. That was in 1973.  Roger was a prestigious young lawyer. His law office  in Beirut operated all over the Middle East. As he only spoke French at the time, we communicated in French and still do to this day! 

An American architect friend of my father, George Hellmuth, wanted to expand his business to the Middle East, which was a very popular thing back then. He came here to discover the region, together with his wife. And they asked me if I could help them with their project, the University of Riyadh. The most prestigious project of the 80’s. Roger was their link to the Middle East. Turns out, that architect’s company HOK got the huge contract to design and build the University of Riyadh, the Riyadh airport and many other projects in Saudi Arabia These projects made him and his company a huge name as an architect. Another of his masterpieces is the airport in Doha (that just got voted 3rdbest in the world).  My husband was originally an international business lawyer, and between 1975 (the year we married) to 2000 we were living abroad. We had homes in Cairo, Riyadh, in Antibes, South of France, Paris, and a townhouse in Washington D.C,  where during 20 years we regularly hosted diplomats, politicians, think tanks, heads of state and businessmen from around the world. Our home was the home of the political activist Roger Eddé, determined to defend the cause of a free Lebanon. To protect it from endless wars. I was always by his side, and still am.

In 2000 when we decided to return to Lebanon, we planned to create a Media/New Tech City in the Byblos region.  Like Silicon Valley. It was to be a hub for film studios, creatives. Unfortunately, it did not come through, due to political reasons. But the visionary ruler of Dubai, Sheikh Mohamed al Makhtum, recognized the avant garde potential of this project and implemented it in his country. A huge success today. 

With this door closed, we were wondering how to bring tourism back to Lebanon. How to revive Lebanon as a tourism destination for tourists, business and culture. How to transfer the negative image of a war-torn country. What labor-intensive industry could benefit Roger’s region of Byblos? Roger had had this land on the beach in Byblos for 20 years. So, we thought: why not build a beach resort in this privileged location? Our American architecture friends inspired us to create what is now known as the Eddé Sands Hotel & Wellness Resort. 

 We respected the environment and the history of the region. Only natural stones were used and plants to create a botanical garden. We brought in 500 palm trees from Alexandria in Egypt and exotic looking ylang-ylang roofs from Bali. 2003 was the opening of the resort, with a mega event by the American singer Solomon Burke and his 13-man orchestra.  A year later we created Écafé in the Old Souk of Byblos, the bookstore Gibran’s Lebanon, an Italian restaurant éForno, an Herb shop Eddés Herbs, a Lebanese restaurant ébaladi, etc. The idea was to bring life to the abandoned Old Souk of Byblos. Create something that would attract foreign tourists and labor for the local population. 

Strangely, I am not a huge fan of the sun, and I try to avoid it. Instead, I usually take a walk on the beach in the early mornings and swim for an hour. My many employees are like my children to me.

What’s your favorite childhood memory? 
Probably the Easter egg hunting, which was a big thing in Germany. I also fondly remember how we packed care packages in post-war Germany for the Hungarian refugee children and how aware we were as children towards people who were less fortunate. 

Which wishes in your life are still to come true?
(laughingly) I have still not been to Malta!

 

What do you like about life in Lebanon? What do you dislike?

I love the traditional villages, the simple life, the simple homes. I like the old palaces but also the smaller ones, the rich history, the historic places in the mountains. I like to share that with the Lebanese. What I don’t like is how the Lebanese follow just any foreign trends, instead of keeping their own precious traditions. They are more impressed by what happens outside their country than inside. I would like them to have more social responsibility and awareness for their environment. 

Is there anything you miss in Lebanon as an American/European expat?
I miss the American openness and the easy-going way. I miss Virginia. From Europe, I miss the vegetable markets. I always head there first whenever I travel. 

What is the secret of your happiness? 
First of all, I have a happy nature, which I inherited from my mother. When I went to school in Germany, I had a classmate who was very unlucky in life, she had lost both her parents and grew up poor. She told me that she always asked herself in the morning, in order to get through the day: “what’s the nice thing happening in my life today?” She always found one nice thing, and I kind of adopted that positive attitude in my life. 

Happily I walk my way back to my deckchair in the sun – having all the reason to be happy. Already more than one nice thing happening to me on halfway through the day: spending the first sunny and warm day in the nicest resort in all of Lebanon and an interesting conversation with a wonderful woman.
How does it get any better than that? 

Selfie with Alice