Networking als Expat oder Altdeutsch: soziale Kontakte knüpfen im Ausland • Beatrice Rieben

Networking als Expat oder Altdeutsch: soziale Kontakte knüpfen im Ausland

Networking ist eine Gabe, die vielen Menschen in den Schoss zu fallen scheint und anderen mehr Mühe bereitet. Alex, ein Freund, meinte mal an einem meiner Small Talk Kurse, die ich gab, dass es für ihn nichts Interessanteres gäbe als einen Raum, in dem er niemanden kenne. Ich denke, die wenigstens Menschen sind wie Alex und müssen sich die Nonchalance und Erfahrung beim Netzwerken erst erarbeiten. 

Was ist Networking? 
Eine der ersten Formen von Networking entstand im 19. Jahrhundert in London als Form von Business Clubs, in denen sich Geschäftsmänner zusammen schlossen und austauschten. Diese Klubs verbreiteten sich schnell und entstanden auf der ganzen Welt, vor allem auch in Zusammenhang mit der britischen Kolonialisierung. Ob in Mombasa, New Delhi oder auf Jamaica, überall sollte sich das gleiche „Home away from Home“ Gefühl einstellen. Später entstanden Rotary, Kiwanis, Lions und viele andere Gruppen. 

Rotary und Co. sind immer noch aktuell und erfolgreich, aber die Netzwerke von heute nennen sich zudem Facebook (mit über 1,9 Mia. User), Instagram, LinkedIn, Xing, oder Internations (für Expats). Innerhalb dieser Netzwerke gibt es unzählige Gruppen, wie zB. meine Gruppe „Im Ausland leben“, in denen man sich unter Gleichgesinnten austauscht. 

Netzwerken ist ein gegenseitiges Nehmen und Geben. Und nie auf direkten Geschäftsabschluss aus. Das ist die grosse Kunst. Und es ist Arbeit. Denn es spielt keine Rolle, ob man auf heimischem Boden Kontakte knüpft oder eben in der Fremde. Immer trifft man auf neue Situationen: entweder kenne ich die Leute nicht, oder ich bin auf einer Veranstaltung, bei der mir das Thema absolut fremd ist. 

The good news: mit etwas Übung, einer positiven Einstellung und mit Anwendung der Small Talk-Künste, fällt einem das Netzwerken um einiges leichter. Netzwerken kann einem Türen öffnen. 

Wie und wo knüpfe ich selber Kontakte?
Immer und überall das Gespräch suchen, kann ich nur empfehlen. Leider ist es so, dass speziell im Ausland niemand auf einen gewartet hat und man immer selber den ersten Schritt tun sollte. Und manchmal auch den zweiten.  In örtlichen Netzwerken, wie zum Beispiel einem lokalen Berufsverband, Business and Professional Women’s Club, etc. beitreten. Facebook-Gruppen oder Foren beitreten: zum Beispiel auch Expats in Lebanon oder Swiss People in the UK oder the US, usw. Selber eine Gruppe gründen, wenn es deine Interessen noch nicht gibt.

In Städten, in denen nicht alles so nahe beeinander liegt, wie zB. in Nordamerika ist die Herausforderung bestimmt grösser. Aber fang einfach im kleinen an, rede mit dem Briefträger, Busfahrer, etc. Es finden sich fast immer gemeinsame Interessen. 

Meine grösste Erkenntnis aus meinen längeren Ausland-Aufenthalten ist vermutlich diese: Kontakte zu knüpfen an vermeintlich schwierigen Destinationen wie Ulan Bator oder Islamabad ist einfacher als in coolen Metropolen wie London, New York oder Paris, wo jeder seiner Wege geht. Ein schwieriger Posten schweisst einen als Expats zusammen, weil man mehr aufeinander angewiesen ist und sich eher wie Verbündete fühlt. 

Wie Du selber ein Profi im Netzwerken wirst
Teile deine Kontakte grosszügig mit anderen und vernetze auch deine Freunde. Wenn eine Freundin zum Beispiel professionell als Chefkoch arbeitet, verteile ihre Karten, teile den Kontakt. Wirf jemandem einen Stein in den Garten, es fühlt sich gut an und kommt immer positiv zurück. Übe dich im Small Talk, es findet sich (fast) mit jedem Menschen ein kleinster gemeinsamer Nenner, worüber man sich unterhalten kann. Wie immer: keep an open mind!

Wenn Du immer nur nach deinesgleichen suchst, entwickelst Du dich auch nicht weiter. Wage Dich auch mal auf fremdes Terrain (zugegeben, letzteres hast Du bereits mit dem Verlassen deines Landes getan)

Was sollte ich nicht tun?
Nicht rechnen, wie lange man noch als Expat am gleichen Ort ist und ob es sich lohnt, sich zu investieren. Man trifft sich in der Regel zweimal im Leben.

Hingegen: Nur weil man im gleichen Boot sitzt (weil zB die Kinder in der gleichen Schule sind, oder weil man aus demselben Land kommt) reicht es eben nicht, um sich anzufreunden, wenn man sich nicht genügend sympathisch ist.  

Zuletzt noch dies: So lange die Kontakte ausschliesslich virtuell bleiben und nicht auch in der Wirklichkeit stattfinden, ist es kein vollständiges Networking. Go out there and meet real people!

Networking, Expats, Expat Coaching, Bad Ragaz