Kinder-Freundschaften im Ausland • Beatrice Rieben

Kinder-Freundschaften im Ausland

Expat, Expat Coaching, im Ausland leben,

In meinem vorletzten Blog ging es um Expat-Freundschaften unter Erwachsenen, heute kümmern wir uns um die lieben Kleinen oder auch schon Grösseren... 

Wenn Kinder sehr klein sind, ist es einfach, mit ihnen ins Ausland zu ziehen (gute medizinische Versorgung vorausgesetzt!). Sie haben ausser zu den Eltern und allenfalls Geschwistern noch keine engen Bindungen. Unser jüngerer Sohn marschierte damals mit 5 an seinem allerersten Tag im Kindergarten Colombo ins Klassenzimmer, ohne sich einmal umzublicken. Der grössere hingegen, damals fast 8, fand es gar nicht lustig und teilte uns dies auch entsprechend mit. Er hatte bereits Freundschaften geschlossen in der Schweiz. Und wollte nicht in Sri Lanka sein. Mit der Zeit fanden beide vor Ort Freunde, mit denen zwar höchstens der Grössere zum Teil noch sehr lose verbunden ist. Ich denke, wenn das Kind zu klein ist, um selbst Kontakt zu halten, wird es einfach schwierig.  

Erinnert Ihr euch daran, wie es als Kind war? Wie unkompliziert alles war, wenn wir am Mittwoch Nachmittag beim Nachbarskind klingelten und fragten, ob es nach draussen zum Spielen käme. Nicht so heutzutage im Ausland. Da werden wir Eltern wie im Club Med zum „Gentil Organisateur“ unserer Kinder. Jedes "Playdate" wird sorgfältig von der Mutter oder vom Vater kuratiert, und das Kind muss hin- und zurückgefahren werden. Da die Kinder oft nicht dort zur Schule gehen, wo sie wohnen, so wie in der Regel bei uns, sondern an die für sie beste Schule, wohnen die Kinder in unterschiedlichen Stadtteilen und weit voneinander entfernt. Als es unserem Grossen im Heimaturlaub bewusst wurde, wie seine gleichaltrige Cousine sich ganz frei mit Bus, Tram, Velo in Bern bewegte, wollte er verständlicherweise die gleichen Freiheiten, was eben in Colombo ein Ding der Unmöglichkeit war. Weil es zum Beispiel keinen öffentlichen Verkehr gibt, oder zu gefährlich ist zu Fuss zu gehen, weil es kein Trottoir hat, usw. 

Ausserdem: andere Länder, andere Sitten. Nehmen wir an, wir organisieren eine Geburtstagsparty für unser Kind. Es bleibt oft bis zur letzten Minute ungewiss, ob die geladenen Kinder dann überhaupt zum Festli auftauchen oder nicht, oder ob sie gleich mit einer ganzen Geschwisterschar erscheinen, oder mit Eltern/Nanny/Driver. Das war manchmal sehr hart für unsere Kinder. 

Mit all den Orts- und Schulwechseln, die ein Leben als sog. TCK (Third Culture Kid) mitbringt, ist das schlechte Gewissen der Eltern natürlich nie weit weg (wobei: dazu braucht man gar nicht erst wegzuziehen…). Hiezu nur soviel: auch wenn wir selber das ganze Schulleben am gleichen Ort verweilen, heisst es nicht, dass es die besten Freunde unserer Kinder auch tun. Darauf haben wir selber keinen Einfluss. Als unsere Kinder noch ganz klein waren, und sich mir ein paar Fragen in Erziehungsdingen stellten, sagte meine Schwiegermutter etwas zu mir, was ich seither nicht mehr vergessen habe: „dein Kind kennt nur dich als Mutter und nur deinen Weg“. Dieser Satz erwies sich seither als sehr nützlich. Wir alle tun unser Bestes als Eltern,  im In- oder im Ausland. Ob wir Lehrerin sind, Buchhalter, Pilotinnen oder Verkäufer. Unsere Kinder kennen immer genau das Leben, das wir ihnen bieten. Und unser Leben sieht nun mal alle paar Jahre einen Ortswechsel vor. Umso erstaunter bin ich, wie stark meine beiden Söhne mit den Freunden in ihrer Heimat verbunden bleiben. Es ist nicht selbstverständlich, dass so junge Freundschaften so lange bestehen bleiben. Vor kurzem war einer der besten Freunde meines jüngeren Sohnes zum dritten Mal bei uns in Beirut zu Besuch. Das freut auch mich sehr, und er gehört inzwischen zur Familie dazu. Sein Interesse an unserem Lebensstil hilft auch unserem Sohn dabei, dass er überhaupt noch mitmacht, denn ein erneuter Orts- und Schulwechsel steht im nächsten Jahr an.

Die sozialen Medien spielen sicher eine grosse Rolle dabei, einfacher mit den Freunden daheim in Verbindung zu bleiben. Leider können sie auch daran hinderlich sein, neue Kontakte zu schliessen. Und jedes Kind tickt anders. Unser Älterer hat zum Beispiel überall, wo er hingeht, rasch einen grossen Freundeskreis, dem jüngeren genügen ein paar wenige Freunde, und er braucht länger, um sich zu öffnen. Eine befreundete Familie gab damals das Nomadenleben auf, weil sie spürte, dass ihr Kind zu sensibel war für diesen Lebensstil. Auch das sind wichtige Entscheidungen, die man selber für sich treffen muss und die einem niemand abnehmen kann. 

Das schlimmste was man tun kann, ist das Kind nicht ernst zu nehmen in seinem Trennungsschmerz und seine Sorgen abtun im Sinn von: Du findest da schon neue Freunde, mach dir mal keine Sorgen. Eine Trennung ist traurig und oft sogar traumatisch, ganz sicher aber eine Zeit zum gemeinsamen Trauern. Ausserdem kann ich eben nicht garantieren, dass das Kind am neuen Ort gleich gute Freunde finden wird! 

Was man hingegen tun sollte, ist dem Kind zuhören und seine Ängste ernst nehmen. Sowie ganz wichtig: dafür sorgen, dass es sich richtig verabschieden kann von seinen Gspändli, wenn die Reise weitergeht, wenn möglich mit einem Fest. Und für seine Freunde ist das genauso wichtig. 

Am besten machen wir Erwachsenen auch gleich eins für uns und unsere Freunde.
Im Zweifelsfall immer eine Party, ist meine Devise…

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mit seinem besten Freund in Batroun, Libanon