Expat-Freundschaften fürs Leben • Beatrice Rieben

Expat-Freundschaften fürs Leben

Expat Coaching, Expat

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Das Leben im Ausland bringt es mit sich, bei jeder Versetzung mit seinem Beziehungsnetz vor Ort wieder bei Null anzufangen. Dies wird, je älter man ist, nicht einfacher. Freundschaften, die man später im Leben schliesst, sind grundsätzlich anders als diejenigen, die man als Kind oder junge/r Erwachsene schloss. Aber nicht weniger wertvoll!

Wie schaffe ich es, im Ausland schnell FreundInnen und Gleichgesinnte zu finden?

-      sich einem beruflichen Netzwerk anschliessen wie zB. BPW (Business & Professional Women's Club)

-      sich in einem Verein engagieren

-     Baby-Gruppen suchen, Facebook-Gruppen abonnieren

-      in der Schule (vor allem mit kleineren Kindern) Kontakte knüpfen

-      wann immer sich die Chance ergibt, sympathische Menschen ansprechen (beim Einkaufen, beim Sport, beim Tierarzt etc.)

Länder, in denen die Familienbande sehr stark sind oder die Gesellschaftsstrukturen kompliziert (zB. Kastenstruktur), ist es anspruchsvoller, tiefe Freundschaften zu schliessen. Auf der anderen Seite machen es einem anonyme Grossstädte wie London oder New York auch nicht leichter, um Freundschaften zu schliessen, gerade weil einem jede Möglichkeit offen steht und man sich frei bewegen kann (s. Film „Sue, lost in Manhattan“). 

Meine Erfahrung: je schwieriger der Einsatz resp. die Destination, umso stärker die Verbindung. Ich habe immer noch Kontakt zu Freundinnen aus meiner Zeit, als ich während des Tschetschenien-Krieges in Moskau arbeitete. Eine davon wohnt per Zufall seiteinem Jahr 5 Minuten zu Fuss von mir entfernt…. Aus meinem Paris-Arbeitseinsatz ging dafür eine Patentante meines Erstgeborenen hervor. Mit ihr konnte er sich die ersten 8 Jahre nicht mal verständigen (wir hingegen kannten die wichtigsten Codes auf Norwegisch, zB. „smuk“ für Nuggi…). Das Sprachproblem löste sich auf, als wir nach Sri Lanka versetzt wurden und das Kind im Nu englisch lernte.

Als Begleitperson schliesse ich andere Kontakte als damals, als ich selbst als Expat angestellt war. Das ist sehr wichtig für das Familienleben, denn an manchen Orten leben wir in einer Art Blase und können zwischen privat und beruflich kaum mehr unterscheiden, die Kontakte vermischen sich. Dank unseren eigenen Beziehungen sorgen wir Begleitpersonen massgeblich für eine ausgeglichenere Work-Life-Balance unserer PartnerInnen.

Das allerschönste an Freundschaften, die man im Ausland schliesst, aber ist, dass man überall auf der Welt Freunde hat. Man sieht sich zwar nicht alle Tage, aber wenn man zusammen trifft, dann knallt es und wird ein Feuerwerk an Emotionen.

So geschehen letztes Wochenende, als ich mich mit Freunden aus meiner Sri Lanka-Zeit in Kairo traf. Zwei reisten aus Toronto an, ein Paar aus Colombo; ich aus Beirut hatte die kürzeste Anreise. Wir verbrachten eine sehr lustige und unvergessliche Zeit zusammen: Kamelreiten bei den Pyramiden, ausgiebiges Sight-Seeing, Geburtstagsfeier auf einer Yacht auf dem Nil, viel Essen und Trinken, noch mehr Lachen und vergangene Zeiten aufleben lassen.

Ich bin sehr dankbar für meine internationalen FreundInnen; sie bedeuten mir wirklich viel. Übrigens: ich habe mich auch schon völlig getäuscht in meinen Beziehungen im Ausland. Ich dachte zum Beispiel, ich würde nie mehr von Soundso hören, dafür für immer mit XY verbunden zu sein. Das genaue Gegenteil traf ein: mit der vermeintlich oberflächlichen Freundin bin ich nach wie vor befreundet, von der „Zuverlässigen“ hörte ich nie mehr ein Wort. 

Sicher ist es eher die Aufgabe von uns Expats, in Kontakt zu bleiben als die von Daheimgebliebenen, weil wir eventuell auch öfters wieder umziehen; aber sich investieren in die Freundschaft sollten beide. Früher trug ich meine Neuigkeiten sehr aufwändig per Newsletter auf dem Postweg (!) in die Welt hinaus, heutzutage ein bisschen unkomplizierter per Social Media. Hauptsache, dranbleiben. 

Auf diese Weise findet und vor allem behält man überall Freunde fürs Leben.  

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