Eine Woche mit dem Hubby in Georgien • Beatrice Rieben

Eine Woche mit dem Hubby in Georgien

Batumi

Schon immer wollte ich nach Georgien. Seit ich jeweils ins U Pirosmani in Moskau essen gegangen bin und zum Abschied meiner Moskau-Zeit ein Bild der georgischen Malerin Rusudan Chantadse-Andronikaschwili bekommen habe (von der scheints auch Bill Clinton eines im White House hängen hatte), und jetzt hat sich die Möglichkeit ergeben. Näher dran komme ich wohl kaum mehr als in Beirut. Im Sommer zwischen Juni und September fliegt nämlich Wings of Lebanon Batumi direkt an und zurück ab Tbiissi. Wir buchen für einmal eine Reise mit der Gruppe bei Nakhal Reisen und sind gespannt. Am Freitag morgen fliegt Päpu ein, der zum rechten schaut, hauptsächlich dass die Jungs sich zwischendurch richtig ernähren und zu Stella natürlich. Wir gehen Sonntags früh, resp. mitten in der Nacht los. Am Morgen um 8 sind wir in Batumi und werden auch herzlich begrüsst mit „Welcome to Georgia“. Wir wohnen im Hotel Wyndham mitten in der Stadt und ruhen uns erst mal aus. Später nehmen wir ein Café auf dem Europaplatz. Was auffällt, sind streunende Hunde überall, die allerdings mit einer Ohrmarke versetzt sind. Die Reiseleiterin wird uns später erklären, dass die Hunde regelmässig geimpft, entwurmt etc. werden. Sie sind auch sehr lieb, wenn auch durchwegs laut. Nichts im Vergleich zu damals in Moskau, als man von ganzen Rudeln verfolgt wurde und als uns empfohlen wurde, eine Art Taser dabei zu haben, um sich zu schützen…

Mit der Gruppe machen wir einen kleinen Stadtrundgang durch Batumi. Gefällt mir sehr. Am Abend essen der Hubby und ich im Restaurant Askaneli und geniessen erstmals den viel gerühmten Georgischen Wein. Wer hat den Wein erfunden? Die Georgier natürlich. Und zwar vor rund 8000 Jahren. Sagen sie.  

Am nächsten Tag erkunden wir den Botanischen Garten, der etwas ausserhalb Batumis liegt und der zweitgrösste der Welt ist. Wir laufen sicher eineinhalb Stunden und haben nicht den ganzen Garten gesehen. Man sieht dort über 6000 Pflanzen, die aus aller Welt kommen und wunderbar wachsen in diesem Klima. Anschliessend geht’s zum Cable Car, der uns auf den Hausberg von Batumi bringt, vergleichbar mit dem Gurten-Bähndli in Bern.  Und dann geschieht folgende – awkard - Szene. Wir sind mit drei Libanesen aus unserer Gruppe und drei anderen in der Kabine und bei ein bisschen Small Talk fragen wir, woher sie denn kämen, und sie antworten: Israel. Unsere Libanesen wenden demonstrativ den Kopf ab und verweigern das Gespräch. Die neutralen Schweizer hingegen haben kein Problem mit dieser Begegnung. 

Nach diesen beiden Exkursiönchen sind wir wieder frei und flanieren in der Stadt rum und geniessen ein late lunch im Restaurant BERN (yes, really) mit Borschtsch und Smetana (Sauerrahm) sowie Käsebrot (Katchapuri). Passend dazu mit leichtem schweiz-russischem Nieselregen-Wetter.
Zwischen mondänen vor-sowjetischen Gebäuden, gibt es zig sowjetische Flachbau-Hässlichkeiten, die irgendwie zum Stadtbild dazugehören. Unsere Reiseleiterin Salome gibt uns noch die Strasse an, an der georgische Designer ihre Kleidung verkaufen, und wir shoppen ein bisschen. 

Am Dienstag geht es um 10h los, zuerst besuchen wir die alte Festung Gonio-Apsaros. Die Festung war halt einfach eine Festung wie sie so sind, don’t care much about that. Hingegen beeindruckt bin ich vom Ethnographic Museum in Batumi, einer Art Ballenberg auf kleinstem Raum und vor allem von ein und derselben Person kreiert. Der Besitzer des Museums hat alle Figuren selber hergestellt und die alten Kostüme gesammelt, die Ideen entwickelt. Definitiv ein Lebenswerk. 

Anschliessend fahren wir mal wieder zu einem Wasserfall. Naja. Dafür decken wir uns mit georgischem Honig ein. Und ich freue mich, dass ich meine paar Brocken russisch mal wieder einsetzen kann. Letzte Station des Tages ist ein Weingut, auf dem wir erfahren, wie die Georgier ihren Wein machen, nämlich entweder wie wir oder traditionell im Boden. Zuerst werden die Trauben mit den Füssen verstampft, dann kommt  das ganze in ein Fass im Boden, der Deckel wird drauf gelegt und ab und zu wird gerührt, Nach drei Monaten ist der Wein bereit und was sich unten angesammelt hat im Fass, wird zum sogenannten Chacha, dem lokalen Wodka gebrannt. Also alles wird nachhaltig verwertet! Wir trinken dann gemeinsam ein Glas Weisswein, aber die Libanesen finden ihren Wein natürlich besser: Sie zeigen sich unbeeindruckt, aber trinkfest. 

chillen vor dem Weingut, nach dem Wein

Zurück geht’s nach Batumi,  der Hubby und ich inzwischen mal wieder hungry. Diesmal kehren wir in ein russiches Restaurant ein: Randensalat mit Walnuts. My favourite. Alles ist wunderbar und kostet schlappe 20 Franken zu zweit. Wir sind sowieso überrascht, wie günstig hier alles ist. Und gut, alles hausgemacht.  Heute gönnen wir uns noch eine wunderbare Massage im Hotel. Schlafen tun wir übrigens auch göttlich, obwohl ich in einem anderen Land bin als meine Kinder, und diese in einem anderen Land als der Schweiz.

Den nächsten Tag verbringen wir in einem Daybed am Beach. Es wird richtig sonnig und warm, und wir frischen unsere Bräune ein bisschen auf. Und fahren noch mit dem Lift hoch beim Alphabet Tower, der das georgische Alphabet rund um den Turm aufgepflastert hat. Die Rundsicht ist prächtig, nur leider jetzt mit paar Wölkchen. Das Abendessen im Bk gleich gegenüber schmeckt auch wunderbar. Also man lässt es sich auf jeden Fall gut gehen in Batumi. Morgen geht die Reise Richtung Tbilissi los. 

Alphabet Tower