Dalida • Beatrice Rieben

Dalida


Vor wenigen Tagen sah ich endlich in meinemLieblings-Quartier-Kino ABC„Dalida“, den ich in Beirut verpasst hatte. Der Film hat mir sehr gut gefallen, trotz der nicht nur guten Kritiken darüber. Das erfolgreiche, aber auch tragische Leben Dalidas und ihre unglaubliche Stimme faszinieren mich; die Verehrung  der Libanesen für Dalida haben (s. Blog) mich ebenfalls zu diesem Eintrag inspiriert. Mein absoluter Lieblingssong von Dalida ist Salma ya Salama, weil er mich an meine Zeiten erinnert, als ich in Paris lebte und arbeitete und in den Clubs zu Dalidas Klängen und anderer Rai-Musik tanzte. Dalida war übrigens eine der ersten, die erfolgreich „Fusion“-Musik machte, indem sie das Orientalische mit Popmusik verband. Aber dazu später. 

Yolanda Cristina Gigliotti, wie Dalida mit bürgerlichem Namen hiess, wurde am 17. Januar 1933 in Kairo, Ägypten geboren. Sie wuchs als einziges Mädchen mit einem jüngeren und älteren Bruder in einer italienischen Familie auf, ihr Vater war Geiger an der Oper in Kairo, die Mutter Näherin. Ihren ersten Ruhm erlangte sie mit ihrem Titel als Miss Ägypten in 1954. Dalidas Laufbahn als Sängerin begann im Pariser Olympia mit dem Lied trangère au Paradis). Bei diesem Nachwuchswettbewerb wurde sie entdeckt vom Chef des Hauses, Bruno Coquatrix, sowie dem Plattenproduzenten Eddie Barclay und dem Programmdirektor des Senders Europe 1, Lucien Morisse.  

Eddie Barclay gab Dalida einen Plattenvertrag. Mit dem Lied „Bambino“ startete Dalida richtig durch und hatte unzählige weitere Nr. 1 Hits. Sie bekam als erste Künstlerin in Frankreich die erste Goldene Schallplatte für mehr als 300 0000 verkaufte Platten.  Auch wurde sie 1958 zur „Sängerin des Jahres“ ausgezeichnet. 

1964 begleitete Dalida für den Rundfunksender Europe 1 die Tour de France. Jeden Abend trat sie nach dem Rennen auf einer Bühne auf. Sie fuhr durch ganz Frankreich und sang fast 3'000 Lieder. Im September 1964 nahm Dalida für mehr als zehn Millionen verkaufte Schallplatten ihre erste Platinplatte entgegen. 1967 ehrte man sie in Italien als populärste Sängerin mit dem „Oscar Canzonissima“.

Nach etwa 15-jähriger Zusammenarbeit mit der Firma Barclay übernahm Dalida 1970 selbst die Produktion ihrer Schallplatten und verpflichtete ihren jüngeren Bruder Bruno (genannt Orlando) Gigliotti als Produzent und Manager. Im November 1971 trat Dalida nach vierjähriger Pause mit neuem Repertoire wieder im Olympia in Paris auf. Da man nicht an ihr Comeback glauben wollte, musste sie die Saalmiete selbst tragen. Doch ihr Auftritt wurde ein Riesenerfolg.

Sie nahm mit Alain Delon zusammen das Duett "Paroles, paroles" auf, was ein Hit wurde in Frankreich, Kanada, Japan und in vielen anderen Ländern ein Hit. Sie eroberte mit "Gigi l’amoroso" und "Il venait d’avoir 18 ans" erneut die Spitze der Hitparade. Sie erhielt zum zweiten Mal den „World Oscar for the Hit Record of the Year“. Für Gigi erhielt sie eine Platinplatte. Mit dem Lied „J'attendrai“ war sie ab 1975 in der Disco-Welle erfolgreich. Weitere Disco-Erfolge waren „Besame Mucho“, „Laissez-moi danser“ und „Gigi in Paradisco“.
1977 trat Dalida zum ersten Mal in der New Yorker Carnegie Hall auf. In demselben Jahr feierte sie auch ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum im Pariser „Olympia“. Mit „Salma Ya Salama“, das sie in fließendem Arabisch im Raï-Stil sang, landete sie einen weiteren Hit. Man nannte sie deswegen auch „Friedenssängerin“ von Ägypten. Die Konzerttournee in Ägypten und im Libanon war ausverkauft.
Anfang 80er gastierte Dalida als Revue-Star im Pariser Palais des Sports. Das ZDF widmete ihr eine von ihr selbst moderierte Sonderausgabe der Sendereihe Liedercircus mit dem Untertitel 25 Jahre Dalida. Sie begann eine große Tournee mit der Show, die sie im Palais des Sports aufgeführt hatte. Für den Film Der Kämpfer mit Alain Delon sang sie 1983 den Filmtitel "Je n’aime que lui" ein.
Mitte 80er feierte man Dalida in ihrer Geburtsstadt Kairo bei der Uraufführung des Films "Le sixième jour" (Der sechste Tag) von Youssef Chahine, in dem sie die Hauptrolle spielte.

Dalida performte und sang in mehr als 10 Sprachen, inklusive ägyptisches Arabisch, französisch, italienisch, griechisch, spanisch, deutsch, englisch, japanisch, hebräisch, und holländisch. Ihr Karriere Leben verbrachte sie vor allem in Frankreich und bekam auch die franzöische Staatsbürgerschaft, als sie heiratete, behielt aber immer die ägyptische und italienische. Zweimal wurde sie geehrt mit dem „Oscar mondial du succès du disque, sie ist die einzige europäische Sängerin, die diesen Award mehr als einmal gewann. Ihre 30jährige Karriere begann im 1956 und endete 1986 mit ihrem letzten Album, ein halbes Jahr vor ihrem Tod.  Dalida verkaufte weltweit mehr als 170  Millionen Platten. 

Privates
Während Dalida beruflich alles zu gelingen schien, war ihr Privatleben überschattet von einer Serie gescheiterter Beziehungen, persönlicher Probleme und Tragödien.  

1961 heiratete sie, 28-Jährig, in Paris ihren Entdecker und langjährigen Geliebten Lucien Morisse, der für Dalida seine Ehefrau verlassen hatte. Doch die Ehe scheiterte schon wenig später, als sich Dalida in den jüngeren Maler Jean Sobieski verliebte und mit ihm zusammenzog. Wenige Zeit später verliess sie auch ihn wieder.


1967 nahmen Dalida und ihr Freund, der italienische Komponist, Sänger und Schauspieler Luigi Tenco, am Sanremo-Festival teil. Bei der Veranstaltung sang erst Tenco, dann Dalida das Lied "Ciao amore, ciao". Als die Jury entschied, dass beide Künstler nicht am Finale teilnehmen durften, schrieb Tenco im Hotel Savoy einen Abschiedsbrief, in dem er die kommerzielle Entscheidung der Jury anprangerte, und tötete sich durch einen Schuss in den Kopf. Es war Dalida, die ihn in seinem Zimmer vorfand. Kurz vorher hatten sich die beiden verlobt. Einen Monat nach dem Selbstmord von Tenco versuchte Dalida, sich das Leben zu nehmen, und nahm eine Überdosis Tabletten im Hotel Prince of Wales in Paris. Sie lag 5 Tag im Koma. Nach einer längeren Rekonvaleszenz-Zeit und mithilfe einer Psychotherapie überwand sie ihre Krise und kehrte Monate später auf die Bühne zurück. 

Kurze Zeit später wurde sie schwanger von ihrem neuen Freund Lucio, einem 22jährigen Studenten. Sie entschied sich dazu, das Kind abzutrieben, eine Entscheidung mit Folgen. Dalida wurde dadurch unfruchtbar, wie sich später herausstellen sollte. 

Ihren neuen Freund Arnaud Desjardins, einen Schriftsteller, begleitete Dalida nach Indien und reiste dann 3 Jahre lang alleine durchs Land, um sich fernöstlichen Religionen zu widmen und ihre Mitte wieder zu finden. 

1970 erschoss sich ihr früherer Ehemann Lucien Morisse, mit dem sie eine gute Beziehung hatte, wegen Spielschulden, wie aus dem Film hervorgeht. 

1972 wurde der Maler und Sänger Richard Chanfray Dalidas neuer Lebensgefährte. Chanfray war in der Pariser Gesellschaft als „Graf von Saint-Germain“ bekannt. Mit ihm lebte sie auf der Mittelmeerinsel Korsika zusammen. Die Beziehung wirkte im Film mit der Zeit zerstörerisch; 1981 trennte sich Dalida von Richard Chanfray, zwei Jahre später begeht dieser Selbstmord, indem er sich in seinem Renault mit den Abgasen des laufenden Motors erstickt. All diese tragischen Ereignisse warfen sie jeweils aus der Bahn; 

gegen Schluss des Films wirkt Dalida mehr und mehr depressiv und einsam, sie isst wenig oder erbricht, was sie gegessen hat, liegt tagelang im verdunkelten Zimmer im Bett.

Am 3. Mai 1987 wurde Dalida in ihrem Pariser Haus auf dem Montmartre von ihrer Hausangestellten tot aufgefunden. Die Polizei teilte mit, sie sei an einer Überdosis Schlafmittel gestorben. Im Abschiedsbrief der 54-Jährigen stand lediglich der Satz: „Das Leben ist mir unerträglich geworden – vergebt mir.“ Dalida wurde auf dem Pariser Friedhof Montmartre  beigesetzt.10 Jahre nach ihrem Tod zu ihrem Gedenken die Place Dalida, unweit ihrer Wohnung und ihres Grabes, im 18. Arrondissement eingeweiht. (Quelle: Film "Dalida" und wikipedia)

Im Palais Galliera Paris gibt es gegenwärtig eine Ausstellung über Dalida und ihre Kleider - aus Anlass zu ihrem 30. Todesjahr - die werde ich mir anschauen nächstes Wochenende, wenn ich dort bin!


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