6 Monate in Beirut - ein kleiner Überblick • Beatrice Rieben

6 Monate in Beirut – ein kleiner Überblick

Heute sind wir auf den Tag genau ein halbes Jahr in Beirut. Gleichzeitig ist dies mein 100. Blog-Eintrag. Eine gute Gelegenheit mich selber zu fragen, wie ich mich so fühle in der neuen Heimat? In den vergangenen sechs Monaten habe ich mich hier gut eingelebt und auch eine Routine gefunden. Wir haben uns wohnlich eingerichtet in Achrafié, dem schönsten Quartier Beiruts, dem "triangle d'or". Der Name sagt eigentlich alles... Ich mag unsere grosszügige Wohnung sehr, zumal sie mit unseren eigenen Möbeln eingerichtet ist und mit schönen Stücken von hier ergänzt wird. Bei Maktabi haben wir orientalische handgeknüpfte Teppiche und handgewobenen Kilims gekauft, allesamt traumhaft und mir schon sehr ans Herz gewachsen. Wir haben - ein Glückskauf - einen Tisch aus den 50er-Jahren aus Walnuss-Holz ergattert, der unser Herz täglich erfreut. Wir haben die Terrasse wohnlich eingerichtet mit einer Lounge und vielen Pflanzen, darunter zwei Bougainvilleae, eine Gardenia, verschiedene Palmen, einen Zitronenbaum und einen Olivenbaum. Sowie ein paar geglückte und missglückte Versuche mit Kräutern stehen dort.  

A propos Land entdecken: wir haben ein Plätzchen für den Hund gefunden, wenn wir denn mal weg sind, wie zum Beispiel als wir im November eine Reise nach Jordanien unternahmen. Wir haben tolle Restaurants entdeckt, darunter sogar einen „Italiener“ und Ersatz für das „Dolce Vita“ in Bern: „Luigi“, gleich um die Ecke, „Bab Sharqi“ für syrisch-libanesische Spezialitäten in unserer Strasse, oder das armenische „Mayas“ vis-à-vis, nur um ein paar Beispiele zu nennen. Vieles lässt sich zu Fuss entdecken, ich finde mich auch bestens in meinem Quartier zurecht; nicht zuletzt dank meiner täglichen Spaziergänge mit Stella.

Beirut ist als Stadt wirklich nicht eine Schönheit, aber es gibt viel zu entdecken, viele alte wunderschöne, zT verfallene Häuser, die von vergangenen glamourösen Zeiten zeugen. Daneben top moderne 5 Stern-Hotels und ein Luxus-Souk, die ihresgleichen suchen. Beirut bietet wirklich alles. Im Sommer kann man baden, nicht im Meer, aber an einem der vielen Hotel-Pools oder Clubs. Im Winter ist man nur eine Fahrstunde vom nächsten Skigebiet entfernt.

Am meisten freue ich mich aber, wie sich unsere Buben hier zurecht gefunden haben und wie gut sie ihre Sache an der neuen Schule machen. Sie haben sich sehr schnell im amerikanischen Schulsystem eingelebt, betonen zwar, dass es weniger cool sei als in der Schweiz. Aber ich erinnere mich nicht, dass einer der beiden die Worte „cool“ und „Schule“ je im selben Zusammenhang genannt hätte. Von unserer Familie versteht der jüngere Sohn am besten Arabisch , er schreibt und liest, gemäss seiner Lehrerin. Überhaupt: arabisch, ein heikles Thema. Angefangen in der Schweiz mit unserem ägyptischen Lehrer Ekramy habe ich sehr motiviert das Alphabet gelernt und viel geübt. Wir dachten, wir seien zumindest gewappnet für einen verbalen Mini-Austausch mit einem Taxi-Fahrer oder mit unserem Hauswart. Weit gefehlt: schon wenn wir mit unserem gestelzten Hoch-Arabisch „Guten Morgen“ sagen, ernten wir einen fragenden Blick. Wir müssten also gleichzeitig arabisch und libanesisch lernen. Ist entmutigend, aber wir hängen uns wieder rein. Vielleicht.

Ich liebe das Mittelmeerklima mit dem Endlos-Sommer und dem gemässigten Winter. Es gefällt mir, dass hier jeder tut, wie er und sie will. Christen neben Drusen, schiitische neben sunnitischen Moslems, usw. irgendwie gehts. 

Mir gefällt das Leben in Beirut und ich habe das Gefühl, hier angekommen zu sein.