Wenn der Wurm mal drin ist…Teil II

Der Zufall wollte es, dass mein Vater, der sowieso ständig auf Achse ist, auch am nächsten Tag auf Reisen ging und die beiden zusammen zum Flughafen fahren konnten. Ich wurde am Morgen aus meinem Dämmerschlaf geweckt vom Anruf meines Sohnes. Er wartete mit einer weiteren unguten Nachricht auf, diesmal von der Zürcher Kantonspolizei. Und zwar sei der Libanon eines von sechs (!) Ländern, das einen Notpass NICHT zur Einreise akzeptiere. Was nun? Wir schickten den Bub also zum Lufthansa-Schalter, damit er mal seinen Flug auf den übernächsten Tag umbuchen solle. Sicher ist sicher. Inzwischen konnte der Hubby mit jemandem der Botschaft sprechen. Dieser sagte, die Praxis sei überholt, seit mehreren Monaten könne man wieder in den Libanon einreisen mit einem Notpass. Herrschaft. Sollte man da nicht besser informiert sein, besonders im effizienten Züri? Anyhoo, im zweiten Anlauf und mit einem kleinen administrativen Effort unsererseits wurde ihm dieser Notpass ausgestellt. Inzwischen war der Flieger sowieso weg und mein Vater drückte seinem Enkel noch ein Bündel Geld in die Hand, damit er Zugtickets und anderes kaufen konnte. Und checkte sich dann endlich selber ein für Teneriffa… Wir organisierten derweilen, dass der Bub in Bern bei seinem Götti übernachten durfte und besprachen das weitere Vorgehen.  Wir hatten ein ganz schlechtes Gefühl, ihn mit dem Lufthansa-Flug über Frankfurt nach Beirut reisen zu lassen. Mit einem Dokument, das zuerst von unserer Behörde nicht goutiert wurde. Wie würde er dann erst in einem Drittland dastehen, wenn man ihn nicht weiterreisen liesse? Ausserdem kamen Erinnerungen in mir hoch, die zwar fast 20 Jahre alt sind, aber immer noch sehr frisch im Gedächtnis haften. Das kam so: Ich wollte meine früheren Botschaftsgspändli in Moskau besuchen und machte mich auf, mit Lufthansa über Frankfurt nach Moskau zu reisen. Leider wurde ich in Frankfurt von einem Zollbeamten gestoppt  mit den Worten: „Ihr Pass scheint mir ein bisschen abgelaufen zu sein.“ Und zur Krönung „Werden Sie gesucht?“ aber tatsächlich: mein Pass war abgelaufen, und "die Russen" hatten mir in diesen Pass ein Visum gestempelt. Ich also ab aufs Schweizer Konsulat in Frankfurt. Needless to say, dass ich keine schöne Erinnerung an die Stadt habe. Zwei Flüge verpasste ich und  kam dann sehr last minute noch auf dem allerletzten Flug nach Moskau mit. Die „Glücklichen“ wurden am Gate namentlich aufgerufen. Ich schwitzte Blut und Wasser und hatte damals noch kein Natel, um meine Freundin zu benachrichtigen.  

Dies alles wollten wir unserem Sohn nicht zumuten und sahen uns nach Alternativen um.

Wir checkten Germania. Die fliegt allerdings nur zweimal wöchentlich, nämlich sonntags und donnerstags ab Zürich. Dann halt die MEA, die wir ja bereits kannten. Die würde am nächsten Tag schon fliegen und zwar im Direktflug ab Genf. Leider konnte man nicht mehr online buchen, deshalb mussten wir am Flughafen in Beirut ein Billett kaufen, der einzigen Verkaufsstelle, die am Sonntag offen war.  Das lief hingegen sehr unkompliziert und schnell ab, so wie auch unser Besuch am Sicherheits-Schalter. Wir meldeten, dass unser Sohn am Folgetag mit einem Notpass einreisen würde. Es war nun alles aufgegleist und sollte gutkommen, und trotzdem war die Stimmung innerhalb der Familie merkwürdig. Wir waren einfach nicht vollständig und machten uns Sorgen.

Nach einer halb-schlaflosen Nacht erwachte ich früh und war ab dann in ständigem Kontakt mit ​dem Bub.
Er nahm den Zug um 7h in der Früh nach Genf, damit er auch ja beizeiten dort war. Und natürlich war der Flug 2 Stunden verspätet. Die 5 Stunden Wartezeit brachte er irgendwie rum und wir waren froh, dass man ihn aus dem Land liess und hier wieder reinliess. Gott sei Dank ging alles gut und ich konnte den Burschen endlich in die Arme schliessen. Er liess dies für einmal auch sehr bereitwillig geschehen, wie mich dünkte. Und ich habe das Gefühl, dass ich mittlerweile den Weg an den Flughafen alleine finde, nach all den Ausflügen dorthin.

More...

Beatrice Rieben - Life(Style), Confidence & Expat Coach