Weltwunder Petra

Am nächsten Tag, am Donnerstag haben wir für die Mittagszeit den Fahrer bestellt, der uns nach Petra fährt und gehen pünktlich von Amman los. Unterwegs gibts nur einen kurzen Boxenstopp, und 3 Stunden später sind wir am Ziel. Eines der 7 Weltwunder. Hier ein Einschub. Ich musste nämlich kurz googeln, welches denn die anderen 6 Weltwunder sind. Here goes: zuerst muss man unterscheiden zwischen den 7 antiken Weltwundern, von denen es nur noch die Pyramiden von Gizeh gibt, die anderen wurden zerstört, entweder durch Krieg oder Erdbeben und eben den 7 Weltwundern der Neuzeit, die da sind: Chichén Itza, die Maya-Ruinen auf der Halbinsel Yucatan (Mexiko), die Chinesische Mauer, Cristo Redentor, die Christusstatue in Rio de Janeiro (Brasilien), das Kolosseum in Rom, Machu Pichu in Peru, der  Taj Mahal in Indien und eben Petra, die Felsenstadt, die von einem Schweizer Jean Louis Burckhardt für den Westen wiederentdeckt wurde. Und dann gibt es noch die architektonischen Weltwunder der Moderne, die überlasse ich Euch zum googeln.

Wir sind hier im Mövenpick einquartiert, das wirklich direkt beim Eingang liegt, booking.com verspricht da gar nicht zu viel, und heimatliche Gefühle kommen kurz auf, als ich den Glacéstand entdecke und die Speisekarte des Room Service durchschaue (Zürcher Geschnetzeltes mit Rösti). Die Höhe und der Wind sind uns mächtig in die Knochen gefahren und sind auch immer eine gute Trigger-Kombination für ein Migränchen meinerseits. Wir entscheiden uns dafür, den Tag ruhig ausklingen zu lassen und das Wunder erst am nächsten Tag zu ergründen. Der Hubs und ich wollen dafür mal den traditionellen Hamam ausprobieren. Der Nabatean Hammam ist vergleichbar mit einem richtigen Ayurveda-Treatment, also kein Wohlfühlprogramm für Warmduscher. Erst geht’s in den Steamroom, nach einem Weilchen wird einem unvermittelt kaltes Wasser über den Kopf geschüttet, wohl damit man nicht überhitzt. Ich wüsste nicht warum, ich war immer noch am Aufwärmen von der verdammten Kälte draussen. Das wird immer wieder gemacht, dieses Kalt-Abduschen, ohne Rücksicht auf Frisur und Make-up natürlich. Dann wird’s noch unentspannter: auf einen groben Scrub, der die abgestorbenen Hautschüppchen wegmacht und die Zirkulation anregt, folgt eine Schaummassage auf beinharter Unterlage. Rien à voir mit der Verwöhnbehandlung im Oktogon in Bern. Naja, es war eine Erfahrung. Das Abendessen nehmen wir im Red Cave Restaurant ein, das auf tripadvisor empfohlen wird und wir behalten auch hier unsere Jacken an. Ich probiere heute eine bedouinische Mahlzeit aus, Magluba. Danach rennen wir frierend zurück. A propos Warmduscher...

Dafür stehe ich heute morgen bereit, richtig schön warm angezogen für unsere Expedition ins Innere der Felsenstadt. Wir geniessen ein tolles Frühstück und ziehen dann sofort los. Der Eintritt ist sehr teuer und erklärt auch die lange Schlange vorhin am ATM-Schalter. Die 200 J.D (280 CHF) für uns 4 müssen nämlich bar bezahlt werden. Entspricht in etwa einem Skitag in der Schweiz… Wir werden allerdings belohnt.

Petra liegt auf halbem Weg zwischen dem Golf von Akaba (vis-à-vis ist Eilat) und dem Toten Meer, auf einer Höhe zwischen 800 und 1350m. Dank seiner strategisch günstigen Lage am Kreuzungspunkt mehrerer Karawanenwege, die Ägypten mit Syrien und Südarabien mit dem Mittelmeer verbanden, war die Stadt vom 5. Jahrhundert vor bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. ein bedeutender Handelsplatz. Insbesondere kontrollierte Petra einen wichtigen Knotenpunkt der Weihrauchstraße. Diese uralte Handelsroute führte vom Jemen aus an der Westküste Arabiens entlang und teilte sich bei Petra in einen nordwestlichen Zweig, der nach Gaza und in einen nordöstlichen, der nach Damaskus führte.Zur verkehrstechnisch günstigen Lage kamen Vorteile der örtlichen Geographie. Zum einen liegt Petra versteckt und gut geschützt zwischen schroffen Felswänden. Der Ort ist nur über einen schmalen Gebirgspfad von Nordwesten zugänglich oder von Osten her durch eine etwa 1,5 Kilometer lange und etwa 70 Meter tiefe Felsschlucht, den Siq (dt.: „Schacht“), der an seiner engsten Stelle nur 2 Meter breit ist.

Zum anderen verfügte Petra in der Antike über eine sichere Wasserversorgung. Brauch- und Trinkwasser wurden über in den Fels gemeißelte Aquädukte in die Stadt geleitet sowie durch Terrakottaröhren, die ebenfalls in die Felswände eingelassen und mit Gips abgedichtet waren. Das höchst komplexe Wasserversorgungssystem, das mehr als 200 Zisternen umfasste, speiste sich aus allen bekannten Wasserquellen im Umkreis von mehr als 25 Kilometern um die Stadt.

Die enge Verbindung von Fels und Wasser in der Region ließ die Legende entstehen, Petra sei der Ort gewesen, an dem Moses beim Exodus des Volkes Israel aus Ägypten mit dem Schlag seines Stabes eine Quelle aus dem Stein habe sprudeln lassen. Die Region um Petra trägt daher den Namen Wadi Musa (dt.: „Mosestal“). Tatsache ist, dass die Nabatäer mit ihren Fähigkeiten in der Wasserbewirtschaftung eine künstliche Oase und damit eine wesentliche Voraussetzung für Blüte und Wachstum der Stadt schufen.

Das Wasser und die sichere Lage machten Petra zu einer bevorzugten Station für Karawanen aus dem Süden Arabiens, die überwiegend mit Luxusgütern für Abnehmer aus dem gesamten Mittelmeerraum beladen waren: mit Gewürzen aus Indien und Seideaus China, Elfenbein aus Afrika, Perlen aus dem Roten Meer und Weihrauch aus dem Süden Arabiens. Das Harz des Weihrauchbaums war in der gesamten antiken Welt als besonders kostbare religiöse Opfergabe und als Arzneimittel begehrt. In umgekehrter Richtung gelangten über Petra Waren aus der Levante, etwa Goldschmiedearbeiten aus Aleppo, zu den Märkten des Jemen und Omans. Zwischenhandel und Zölle warfen für die Nabatäer hohe Gewinne ab (Wikipedia).

Wir können gar nicht mehr aufhören zu fotografieren. Auch die Kinder sind beeindruckt. Es ist ein rechter Fussmarsch, und wir schreiten so richtig aus. Es ist herrlich. Auch der Fantasie kann man ihren Lauf lassen und sich überlegen, wie das hier wohl war, so vor 2000 Jahren. Immer wieder werden uns Eselritte und Horseriding angeboten, und kleine Burschen reiten im Garacho auf ihren Tieren durch den Canyon. Quasi die Töfflibuebe von Petra, wie der Hubby meint. Unseren Buben offerieren wir einen Ritt zurück auf zwei Kamelen, was sie super finden.

Beatrice Rieben - Life(Style), Confidence & Expat Coach