Tyre, zweiter Versuch

Für unser langes Wochenende über den ersten Mai haben wir beschlossen, unser erstes missglücktes Wochenende in Tyr durch eine neue Erfahrung zu überdecken. Wir bringen Stella zuerst in den Hundehort K9 in den Bergen oberhalb von Maghdouché. Dort angekommen, trifft sie auf ihre Gspändli Snow und Kliepa. Stella flippt fast aus vor Wiedersehensfreude. Und wir ziehen beruhigt von dannen. 1 1/2 Stunden später - es dauert halt alles immer länger hier - kommen wir endlich in Tyre an. Man muss auf dieser Strecke durch etliche militärische Checkpoints. Schliesslich sind wir am Nachmittag um 3h im kleinen Hotel Turquoise Beach Resort an, wo wir als erstes einen Lunch nehmen - spät wie die Einheimischen. Danach gehts an den Pool. Davon habe ich seit Monaten geträumt, aber irgendwie findet dieses Jahr der Frühling später statt. Vor genau einem Jahr waren wir nämlich in Beirut und sonnten uns da bereits; wir trugen damals für unsere Wohnungsbesichtigungen und Schulbesuche ausschliesslich Sommerkleidung und sassen zum Essen immer draussen. 

Für heute haben wir uns vorgenommen, uns so wenig wie nötig zu bewegen also vom Pool zum Bungalow, von dort zum Restaurant und wieder von vorne. Auch zum Nachtessen bleiben wir im Resort. Eine kleine Gesellschaft - für hiesige Verhältnisse, also weniger als 100 Leute - feiert am Abend eine muslimische Hochzeit, was allerdings sehr ruhig vonstatten geht. Was man am Nachmittag nicht hätte vermuten können, als zwei Angestellte einen 10’000 Dezibel-Soundcheck machten, zu Klängen von DJ Antoine. 

Die Hotel-Anlage liegt direkt am Meer, hat eine ideale Grösse, ist überblickbar mit doppelstöckigen Bungalows und einem Restaurant. Für zwei, drei Tage ist dies ein idealer Ferienort, dann ist man erholt oder gelangweilt. Man muss halt das Auto nehmen, wenn man irgendwo hin möchte. Das Hotel liegt etwas ausserhalb von Tyre, südlich Richtung Israel. Dementsprechend viel Militär und UN-Organisationen sind vor Ort. Die Lage ist zum Glück ruhig, und entspannt ist auch die Stimmung. Am nächsten Tag tauchen mehr und mehr junge Männer und eine Frau in Uniform auf, die sich einen freien Tag am Pool gönnen und wohl einen Deal mit dem Hotel haben. Wir hören Italienisch und französisch. Und sind irgendwie froh, dass diese jungen Menschen bereit sind, ihre Arbeit zu tun und wenns sein müsste in Aktion zu treten. Nach einem weiteren Tag mit sehr wenig Bewegung, etwas Sonne (es dürfte gerne noch konstanter sein) ordentlich Wind (dürfte gerne weniger sein) raffen wir uns am Abend auf und fahren nach Tyre zum Hafen, den wir ja bereits kennen.

Tyre oder Sour auf arabisch, wurde im 1984 zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt und ist Besuchern hauptsächlich wegen seiner römischen und byzantischen Ruinen bekannt. Mehrere Male wird im Alten Testament erwähnt (apparently), dass König Hiram, einer der Stadtherren von Tyre, das Zedernholz lieferte um den Tempel von König Salomon in Jerusalem zu bauen. Tyre hatte einst einen florierenden Hafen, der sehr wichtig war für die Römer, aber auch für die Phönizier, Griechen und byzantinischen Herrscher. Der Handel war für lange Zeit die Lebensader der Stadt. (Quelle: At Home in Beirut).  

Tyre ist ein hübsches Städtchen und hat, mit seinen engen Gässchen, viel mediterranes Flair. Die Altstadt ist klein und schnell gesehen. Heute  Abend wirkt sie zudem wie ausgestorben. Wenigstens ist seit letztem Oktober der Stadtkern für die Autos gesperrt worden, so dass uns die lästigen Töfflibuben nur ausserhalb der Absperrung um die Ohren sausen. Wir essen im Al Fanar, und wundern uns noch, ob es wohl die Spange unseres Älteren seit dem letzten Besuch wieder angespült hat... das Thema Zahnkorrektur hat sich ja inzwischen erledigt. Während wir so warten, finde ich, dass Tyre auch heute nicht soo viel hergebe, auch kulinarisch nicht. Wir essen zum Beispiel wieder dort, wo wir letztes Mal ein Mittagessen nahmen. Der Hubby gibt zu bedenken, dass man auch nicht zu viel erwarten dürfe, der Ort ist vielleicht 25km von der Grenze entfernt, und war - wie das halbe Land - während Jahren vom Krieg gegeisselt. Er, also der Hubby, will Tyre noch ein paar Jahre geben, bis es wieder aufblüht. ich würde es dem Süden wünschen. So wie ich mir in solchen Momenten noch ganz viel Gutes für die Gegend wünsche.  

Alles in allem, war unsere Erfahrung in Tyre eine gute und relaxte und blieb ganz ohne Zwischenfälle. Im Turquoise Beach Resort  werden wir gerne wieder einmal übernachten.

Beatrice Rieben - Life(Style), Confidence & Expat Coach