Oktober-Ausflug zu den Zedern

Eines wunderschönen Oktober-Morgens begeben sich knapp 30 Frauen der Diplomatic Spouses’ Association of Lebanon (DSAL) auf ein Reisli in den Norden des Libanons, ins Sacred Valley. Es ist schön, nach der langen Sommerpause viele bekannte Gesichter wieder zu sehen und neue zu entdecken. Wir fahren recht pünktlich von beiden Treffpunkten los, und die Stimmung im Bus ist toll. Den ersten Halt gibts auf dem Arz Highway, im Sajcafé, wo wir Manouché mit Käse und Zaatar geniessen. Zur Krönung des Zwischenstopps hat die Hausherrin für uns ein riesiges Überraschungs-Cake vorbereitet.

Einmal mehr ein Beispiel der vielgepriesenen libanesischen Gastfreundschaft. Wir sind zwar bereits bis obenhin voll mit Kohlenhydraten, aber so ein Stückchen Kuchen geht immer.  Weiter gehts nach Bcharré, zum Museum von Khalil Gibran, seines Zeichens weltberühmter Schriftsteller, Philosoph und Maler. Zugegebenerweise kannte ich Herrn Gibran nicht, ebenso wenig wie seine unzähligen Bilder, die er in seinem kurzen Leben gemalt hat. Einzig von „der Prophet“ habe ich gehört, dem gemäss Museumsführer drittmeist gelesenen Buch auf der Welt! Sobald ich daheim endlich wieder Internet habe, werde ich mir das Buch auf meinen neuen Kindle runterladen (best buy ever!) und eine meiner Bildungslücken schliessen. Das Buch wurde in über 40 Sprachen übersetzt und beeinflusste auch viele Sänger wie die Beatles, David Bowie oder Johnny Cash, die Textzeilen aus dem Prophet in ihre Lieder einfliessen liessen. 

Nach unzähligen Selfies und Fotosessionen vor dem Museum, verlassen wir Bcharré; der Bus schlängelt sich die Kurven hoch, bis wir eine Stunde später bei den „Cedars of God“ ankommen. Der Ort ist seit 1998 Unesco-Weltkulturerbe und wird nun - ein paar Jahrhunderte zu spät, aber immerhin - vor dem weiteren Abholzen geschützt. Überbleibsel des einmal grossartigen Bestands an Zedernbäumen ist auch hier ein kleines Wäldchen, mit teils schönen, teils abgestorbenen Zedern. Wir spazieren durch das Wäldchen entlang eines abgesteckten Fussweges und nicht frei wie bei uns. Das ist doch eher merkwürdig, wie in einem Outdoor-Museum gewissermassen. Wir befinden uns hier im Skigebiet „al Arz“, und es ist kaum vorstellbar, dass man in zwei Monaten bereits wieder die Pisten herunter rasen wird, wenn man so an die kargen Hänge blickt. Es ist zwar kühler als in Beirut, aber noch kein Jacken-Wetter.

 

Bevor wir jetzt die kurvige Strecke wieder unter die Räder nehmen, decken wir uns mit lokalen Produkten wie Honig, orientalischen Süssigkeiten und mehr ein. Mir tun die Verkäufer Leid, es hat ausser uns noch 3 kleine Touristengrüppchen, denen wir bei jedem Halt wieder begegnen, aber sonst ist kaum jemand unterwegs und gibt Geld aus. 

Eine ähnliche Situation präsentiert sich im Restaurant „Al Ferdous“ in Ehden, wo wir essen. Die Aussenterrasse bietet bestimmt Platz für über 200 Gäste, wird aber nur durch unsere internationale Truppe und besagten 3 Grüppchen besetzt. Inzwischen ist es 16 Uhr, für uns Schweizer wohl eher Dinner denn Mittagessen. Für Libanon sind wir grad richtig. Zum Glück waren wir angemeldet, das Essen ist blitzschnell auf dem langen Tisch, wie üblich in grossen Mengen. Es gibt kalte (Tabboulé, Fattouch, Labneh, Hummus) und warme Mezze (Kibbeh, Falavel), womit wir ganz happy und satt gewesen wären. Nach einem Jahr im Mittleren Osten bin ich auch heute wieder überrascht, als ein weiterer, warmer Gang gereicht wird, mit Schisch Taouk (Chicken) und Lammspiesse mit Beilage! Alles wunderbar, genauso wunderbar wie die Aussicht auf das Städtchen Ehden und die umliegenden Hügel. Nach unserem Gelage gehts direkt zum Bus, und man vernimmt hie und da ein Stöhnen aus den Sitzreihen. 

Dann der letzte Stopp: 
The Lady of Fortress, nicht nur eine Kirche, über deren architektonische Schönheit sich streiten lässt, sondern vor allem ein Spot mit einer traumhaften 360 Grad-Aussicht. All das perfekt getimed mit einem prachtvollen Sonnenuntergang. Das Pünktli auf dem i eines phantastischen Tags. Die aufgeräumte Stimmung auf dem Rückweg nach Beirut belegt das.

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Beatrice Rieben - Life(Style), Confidence & Expat Coach