Kanada-Ferien, Part III, Ottawa und Algonquin

Mit den Hells Angels auf der Fähre
Heute sind wir bereits seit 2 Wochen in Kanada. Wir frühstücken draussen und geniessen die Idylle des Oka Parks. Dann fahren wir los durchs Städtchen Oka. Auch dies ein sehr hübscher Ort, an dem wir gerne länger verweilen würden. Wir nehmen stattdessen die Fähre, die uns auf die andere Seite des Ottawa-Flusses bringt, nach Hudson. Zusammen mit einer Gruppe von Hells Angels Töff-Fahrern aus Québec, die sich charmant und wie Lämmchen für mich in Foto-Pose setzen. Die Fahrt durch Hudson und dem Outaouais Fluss entlang ist umwerfend. Riesige Mansions mit vornehmen Kies-Auffahrten und gepflegte englische Gärten präsentieren sich uns. Sehr sehr lieblich. Wir fahren einen kleinen Umweg - unfreiwillig - bis zu unserem Campingplatz Voyageur. Die Anlage ist so unvorstellbar riesig, dass wir innerhalb des Campingplatzes den RV nehmen müssen, um von unserem Platz bis zum Strand (innerhalb der Anlage) zu gelangen. Mit dem Auto brauchen wir 10 Minuten. Wir legen uns an den Strand. Plötzlich spüre ich etwas an meinem Hinterkopf - ein freches Eichhörnchen, das sofort Richtung Wald abhuscht. Die Lust am Baden vergeht mir dann, als ein Junge plötzlich in schrilles Geschrei ausbricht. Ein Blutegel hatte sich an ihm festgesaugt. Eigentlich hätten wir heute noch waschen wollen, aber der Parkladen bietet leider nur Weichspüler, nicht aber Waschmittel an. Wir haben uns das ganze etwas unkomplizierter vorgestellt und findens grad etwas mühsam in diesem Riesenpark.


Wasch-Stopp in Ottawa
Das Angebot unserer Freunde in Ottawa, auf dem Rückweg bei ihnen nochmals einen Boxen- und Laundrystopp einzulegen, steht noch. Wir nehmen die Fähre zurück auf die andere Seite des Ottawa-Flusses in Pointe Fortune. Der Übergang zum englischsprachigen Teil ist übrigens fliessend. Auch wenn der Ort noch französisch klingt, spricht man zum Teil schon englisch oder umgekehrt. Wir verzichten heute wieder auf den Highway, was ein super Entscheid ist. Die Fahrt entlang des Flusses ist um einiges gemütlicher und charmanter. Später machen wir einen Hamburger-Stopp in Montebello, einem geschichtsträchtigen Städtchen mit Schloss und so. Via Plaisance und Gatineau finden wir ohne Probleme wieder nach Chelsea in Ottawa, wie wenn wir regelmässig dort wären. Das Wiedersehen ist ein freudiges. Wir gehen wieder zum Lakemeere herunter für unser abendliches Bad,  als ob wir dazugehörten. Meine warnenden Blicke wegen des bevorstehenden Gewitters wollte leider niemand zur Kenntnis nehmen, und so kommen wir dann pflotschnass wieder oben an. Zum Glück haben wir inzwischen wieder frische Kleidung! Für mich gibt’s heute früh Feierabend, morgen wollen wir weiter nach Algonquin Park.

Bevor es in den Park geht ohne Elektrizität und so, will ich mich nochmals groomen. Frau will ja trotzdem irgendwie eine Gattung machen. Diesmal sollten wir nichts vergessen haben und sind nach einigen Anläufen auch auf dem richtigen Weg. Sprich auf dem richtigen Highway. Die Fahrt ist lieblich, die allgegenwärtigen Baustellen nicht mehr erwähnenswert. Die Seen - in ganz Kanada gibts scheints zwei Millionen davon - an denen wir vorbei fahren, haben lustige Namen wie Mink Lake und Bark Lake. Wir selber sind im Camping Lake of Two Rivers eingebucht. Und zwar seit Monaten. Jeder Platz mit Elektrizität und Wasser war damals schon ausgebucht, heute auch diejenigen ohne.  Wir sind übrigens, im Gegensatz zu den meisten kanadischen Familien mit leichtem Gepäck unterwegs. Die meisten kommen mit riesigen Trailers wie Robert de Niro in "Meet the fockers" auf den Zeltplatz oder haben zumindest eine grössere Infrastruktur als wir dabei. Also inkl. Grill, Kanus, Netzspiele, und sogar Waschmaschinen!

Der Hubby und ich checken den Beach aus, die Jungs feuern derweilen ein. Heute gibts Würste mit spezieller Geschmacksrichtung: Ahorn/Cheddar-Käse

Anschliessend führen mich die Jungs in die Art, "Smores" zuzubereiten, ein. So wie ihre kanadischen Freunde es ihnen am Lagerfeuer beigebracht haben. Ich nehme also ein Marshmellow, stecke es an einen Stecken, erhitze es über dem Feuer, bis es die richtige Konsistenz zwischen weich aber noch mit Kruste hat, dann gebe ich etwas Nutella oder Schoggi zwischen zwei Biscuits und klemme das Marshmellow dazwischen, so dass es ein Sandwich gibt. Eine klebrige Angelegenheit aber wirklich fein in diesen Lagerfeuer-Momenten.  

Bear in the Area
Der Hubby geht früh raus und kriegt heute tatsächlich einen Platz mit Strom, weil wohl jemand früher abreist als vorgesehen. Wlan haben wir natürlich trotzdem nicht... Neu sind wir auf Platz Nr 243. Dieser ist so gross, dass wir eine ganze Schul-Klasse zum Zelten auf unser Terrain hätten einladen können. Als erstes wollen wir heute die Sache mit den Kanus klären. Wir mieten zwei Kajaks für die Buben und ein Kanu für uns. Das Kanu, damit wir zu zweit oder alleine damit loskönnen. Für heute morgen verzichte ich darauf, denn der Himmel ist sehr bedeckt. Das erste Mal seit zwei Wochen gönne ich mir etwas Me-Time und lese in meinem Ferien-Kitsch-Buch. Unser jüngerer Sohn ist heute offiziell zum ersten Mal der Grillmeister - die Möglichkeiten sind etwas begrenzt im Park. Es gibt eine Variation vom Vortag, nämlich Cheddar und Smoked Sausages. Trotz der vollmundigen Warnung am Eingang des Campingplatzes, lässt sich weder Bär, noch Reh, nicht mal ein mudriges Glühwürmchen blicken. Ich bin enttäuscht. 

Eine extrem harmonische Kanufahrt
Heute wollen wir alle mit den Kajaks, resp. dem Kanu los. Das Wetter ist nicht vielversprechend, dafür nicht zu heiss für unser Unternehmen. Von Anfang an ist beim Hubby und mir auf diesem Ausflug der Wurm drin. Angeblich ist er ohne mich am Vortag wunderbar vorwärts gekommen... Wie seinerzeit in Halong Bay der 11jährige Sohn, mansplained heute der Kindsvater, wie das so geht mit dem Kanufahren. Das kommt natürlich sehr gut bei mir an. Auf dem Bild sieht man auch klar, wer die ganze Arbeit macht.

Unterwegs sehen wir 2 Schildkröten und ein paar Wildgänse. C'est tout. Die Landschaft ist unschlagbar, das war aber in den vergangenen zwei Wochen schon der Fall, ich hätte mir im Algonquin Park etwas mehr Wildlife gewünscht. Nach den obligaten Würsten (diesmal wieder mit Maple Syrup) und einem überraschend guten Spare Rib, machen wir noch einen kleinen Ausflug mit dem RV im Park. Wir haben gelesen, dass manchmal Wild an den Strassenrand kommt, um sich - nach einem Regen - an einer Wasserlache zu laben. Wird leider auch nichts heute abend mit Wölfen und Bären... 

Drei Typen und ein Ofen
Wir verlassen den Algonquin Park zur Westseite bei Huntsville, diesmal mit mir am Steuer. Vorher wollen wir zur Sanitation Station unser Schmutzwasser ablassen und neues Wasser tanken. Wir treffen auf die ersten nicht-kanadische Touristen während dieser Reise, auf eine österreichische Familie und tauschen uns kurz über unser Programm aus. Wir haben eine ähnliche Route, ausser dass sie noch in Tadoussac zum Wale beobachten waren. Wir wollen eigentlich beim berühmten Weber's Hamburger Joint Halt machen, sind aber vorher hungrig. Das Frühstück haben wir irgendwie ausgelassen. So kehren wir im Restaurant  3 Guys and a Stove in Gravehurst ein. Gemäss der Foto-Galerie wurden dort bereits Berühmtheiten wie Rob Lowe und Jack Black bekocht. Wir sind gespannt. Und vor allem: endlich wieder Wifi. Wir sind mit unseren Smartphones beschäftigt, bis das Essen kommt. Es fällt uns deshalb gar nicht auf, wie lange wir warten mussten. Umso überraschter sind wir, als die Serviertochter auftaucht und sagt: "der Besitzer ist hier und ist gar nicht zufrieden mit der Performance und der Präsentation von unseren Lunchs, das Essen geht deshalb aufs Haus!"  Wir sind sprachlos von soviel Grosszügigkeit.

Wir fahren weiter Richtung Toronto. Wir haben noch zwei Nächte in "Earl's Rowe" gebucht, wieder in einem Ontario National Park. Und in Pole Position zu Bolton, wo wir in zwei Tagen unseren Camper zurückgeben müssen. Unser jüngerer Sohn hat Rückenweh - wahrscheinlich ein Wachstumsschub - und darf deshalb vorne sitzen. Die Strecke zieht sich endlos dahin, die Umgebung wird städtisch, aber irgendwann sind wir dort. Und werden belohnt mit einem sehr schönen Campingplatz, auf dem es sogar einen grossen Wade-in-Pool hat. Wir geben heute alles und kaufen nochmals ordentlich Fleisch ein. Zusätzlich zum 900g Rind-Prügel kommen 2 Sirloin-Steaks noch dazu. Karnivoren. Und dazu servieren wir Salate aus dem Deli vom Supermarkt. Ein Festmahl.  

Letzter Camping-Tag
ein Klassiker: es geht dem Ende unserer Ferien zu, ich habe bis jetzt wunderbar geschlafen. Nun fängts in meinem Kopf wieder an zu drehen wegen all dem, was es noch in Bern zu tun gibt. Ich wecke also die Kinder nach einer kurzen Nacht. Heute wird ein Einführungskurs im Fischen angeboten. Mit Mücken- und Sonnenspray  eingesprüht, deponieren wir  die Buben am Fletcher Point und gehen selber zum Wade-In-Pool. Zusammen mit halb "Upper Toronto Day Care", die die gleiche Idee haben und mit 4 Schulbussen beladen mit Kindern in gelben, blauen oder grünen T-Shirts am bädelen sind. Sehr herzig. Wir erinnern uns mit Wehmut an die Kita-Zeiten, jeder Winterhusten und jedes Quengeln der Kleinkinder von damals ist vergessen. Heute schlagen wir uns mit Teenies rum, die nicht einmal Lust zum Baden haben. Zu ihrer Verteidigung muss ich sagen, dass der Grosse vor den Ferien im Spielgefecht einen Ball ans Ohr bekam, woraus ein Loch im Trommelfell resultierte und vor allem ein schwimmbad-freier Sommer, und der Kleinere wohl keine Lust hat, ohne Bro mit den Alten an den Pool zu kommen. So be it. Der Hubby und ich habens auch zu zweit lustig und müssen einiges besprechen, er reist bereits in einer Woche nach Beirut ab!

Am Nachmittag machen wir uns stadt-chic und statten der Outlet Mall in Barrie einen Besuch ab. Sehr erfolgreich noch dazu, darf ich vermelden. Ich kaufe mir ein wirklich hübsches Ensemble von Tommy Hilfiger. Und für die Jungs gibts ein paar Polo-Shirts von Ralph Lauren, da die neue Schule der beiden keine T-Shirts mit riesigen Aufschriften à la "Vans" erlaubt. Heute wird nicht mehr grilliert; stattdessen kehren wir in einem italienischen Restaurant in der nächsten Ortschaft Alliston ein, dem "da Grazia". Dann packen wir unsere Sachen in die IKEA-Taschen, die wir mitgebracht haben, räumen das Gröbste auf und bereiten uns mental auf die Zivilisation vor, sprich auf Toronto.

Beatrice Rieben - Life(Style), Confidence & Expat Coach