Kanada-Ferien, Part II Ottawa und Quebec

Auf nach Ottawa
Heute ist ein Mittwoch. Wir wollen  nach Ottawa und dort eine befreundete Familie besuchen, die gleichzeitig mit uns in Sri Lanka war. Die beiden Jungs haben mit unseren Jungs Fussball gespielt im "Battaramulla Bulls Club"... Auf ihr Anraten, fahren wir auch heute wieder auf kleineren Strassen und passieren so hübsche Orte wie Merricksville. Dort machen wir Kaffeepause und entdecken dabei einen Shop, der auf Steak-Saucen aus aller Welt spezialisiert ist. Ich kaufe mir in einem Vintage-Store ein Armketteli, das aus gestanzten Untertassen-Elementen verarbeitet wurde und erfahre dabei, dass Untertasse "saucer" heisst. Damit wir nicht zu früh in Ottawa eintrudeln  (wie wenn dies jemals ein Problem wäre in Kanada, man hat IMMER länger, als man denkt. Auch wenn man schon fast dort ist), machen wir Halt in einem Ontario Park am Gatineau River und lösen dort einen Day Pass. Wir baden im Fluss, der deutlich weniger anmächelig ist als der See am Vortag. Allerlei Seegras schwimmt darin, und es weht ein steifes Windchen.  Wir schlagen uns die Zeit bestens um die Ohren bis zum Aufbruch. Obwohl mein liebes altes Blackberry fast keinen Akku mehr hat, hält es durch bis zum Zielort, und wir können die Instruktionen umsetzen. 

Es folgt eine herzliche Begrüssung, und einem ersten Apéro folgt ein zweiter. Am Abend baden wir im Lake Kingsmeere, Gatineau Park quasi in ihrem eigenen See im Gatineau Park. Krass. Zum Znacht gibts kanadischen Lachs auf dem Grill und zum Dessert frische Erdbeeren aus Québec. Es geht uns sehr gut!


Hiken im Gatineau Park
Seit einer Woche sind wir in Kanada und haben schon so viel erlebt und schöne Eindrücke gesammelt. Zum Frühstück gibts heute Pancakes mit Maple Syrup und Früchten. Einfach herrlich. Wir gehen den Tag entspannt an. Die Buben wollen daheim bleiben, wir möchten uns etwas bewegen. Deshalb entscheiden wir uns für eine kleine Wanderung im Gatineau Park und marschieren gleich beim Haus unserer Freunde los. Die beiden sind Profis, und es geht (gut eingesprayt) in forschem Tempo los. Im Wald riecht es unglaublich würzig, und die frische Luft tut in der Seele wohl. Nach dem letzten Aufstieg werden wir mit einer tollen Aussicht über den ganzen Gatineau Park belohnt. Hier gönnen wir uns eine Pause und legen uns auf den Felsen in die Sonne. Unsere Gastgeber haben an alles gedacht und sogar Limonade und Bagel-Sandwiches dabei.  Auf dem Rückweg kreuzen wir noch einen Hirsch und einen Specht. Am Abend auf der Veranda fabulieren wir lange darüber, wie toll es wäre, wenn jetzt ein Bär durch den Garten liefe. Was schon passiert ist. Tut es heute aber leider nicht. Auch ohne Bären-Vorstellung war es ein schöner Tag!

Sight-Seeing in Ottawa
Auf dem Programm steht heute eine Besichtigung der Hauptstadt, also Ottawa. Obwohl wir völlig im Grünen sind, sind wir mit dem Auto nur 20 Minuten von der Innenstadt entfernt. Die Jungs wollten eigentlich zum Paint Ball gehen, hätten aber vorher reservieren sollen, damit es geklappt hätte. Sehr viel Konjunktiv. Deshalb sind sie nicht bester Laune, weil sie nun mit uns mit müssen. Und erst noch ins Museum. Wir parkieren bei Helen's Arbeitsplatz und gehen von dort zu Fuss zum Canadian Museum of History.  Dieses ist riiiesig, und wir sehen einfach einen Teil davon, vor allem was in und rund um die Grand Hall ist. Dort bekommen wir eine Einführung in die Geschichte, Kulturen und Glauben der Ersten Völker von Kanadas Pazifischer Küste. Auch die Kinder finden Interessantes, und wir vertörlen uns sicher für 2 Stunden. Dann treibt uns der Hunger wieder raus. Auf der Brücke zurück in die Innenstadt dann ein kleiner Nieselregen, der sich zum Glück erst als wir im Trockenen sind zu einem waschechten Sturm entwickelt. Wir geniessen unterdessen unseren gesunden Salat (also ich) und Burger (die Jungs) im Milestones, einer Art gesunde Schnell-Imbiss Kette auf kanadisch. A propos Jungs: heute nervt der Hubby gewaltig. Gibt sich stumm und asozial. Ich hoffe, es ist nichts Ernstes...

Auf unserem Stadtrundgang geniessen wir die berühmten Beever tails, eine süsse Spezialität Ottawas. Wir deponieren alle Buben bei einem "Escape Room", aus dem sie in der nächsten Stunde versuchen müssen, durch Lösen von verschiedenen Rätseln wieder rauszukommen. Wir marschieren unterdessen unseren Reiseführern nach, das finde ich super, für einmal nicht selber alles nachzuschauen. Wir gehen zum Parlament, und von dort weiter zu den zig Schleusen, die es mitten in Ottawa hat. Mir gefällt die Stadt sehr, sie hat etwas Unaufgeregtes und Entspanntes, echly wie Bern halt. Wenn man schon die Hauptstadt ist, muss man eben nicht noch separat beweisen, wie dynamisch man ist. Gäll, Züri. Im Winter scheints extrem kalt zu werden, die Leute gehen dann mit Schlittschuhen auf dem zugefrorenen Fluss  zur Arbeit, hab ich gehört. 

Viele Baustellen später...
...erreichen wir endlich unseren Campingplatz ausserhalb von Montréal. ... Die Reise von Ottawa dorthin wäre ein Leichtes gewesen.  Trotz später Abreise am Morgen kommen wir zügig voran. Aber kurz vor Montreal wirds richtig französisch. Spartanisch angeschrieben oder auch gar nicht, verpassen wir eine Ausfahrt, weil unsere Strasse plötzlich aufhört. Wir verwerfen Plan B  und steuern unser Camping Alouette mit einer anderen Route also Plan C an. Wir geraten in einen schlimmen Stau, und das an einem Samstag.  Item, irgendwann sind wir beim Camping Alouette, welches sich gemäss meiner Recherchen am allernächsten bei der Stadt befindet.

Der Campingplatz ist doch recht enttäuschend, wiederum entgegen der tollen Reviews auf dem Internet. Und bitzli bünzlig auch. Ausserdem sieht man dem Nachbarn direkt auf den Teller. Nebenan gibt’s zum Beispiel heute Pasta zum Znacht. Bei uns hingegen ein richtig fettes Steak.  

Montréal, ein Augenschein
nachdem wir endlich die Teenagers wach gekriegt haben, beobachten wir das Spektakel um uns herum beim Frühstücken draussen: Leute, die ihren Monster-Truck reisebereit machen, einer, der seinen Quad abledert, dass es quietscht bis zu uns drüben. Höchst interessant. Wir fahren mit unserem RV los Richtung Longueil-Université und parkieren beim Parking der Metro-Station. Dann rein in die Metropole. Das erste, was wir von der Stadt mitbekommen, ist eine Demo - auch das sehr französisch. Wir schauen uns Hotel de Ville an, den Vieu Port, wo auch der Cirque du Soleil seine Zelte aufgestellt hat. Es hat einen coolen Kletterpark und schöne Souvenirstände. Wir decken uns mit Maple Syrup ein. 

Dann gehen wir zu der Cathédrale de Montréal und geniessen die andächtige Stimmung. Allmählich werden wir hungrig. Wir suchen uns ein Resto aus mit französischen Bistro-Stühlen und Wi-Fi. Die Buben bestellen Citron pressé. Nach dem Essen nehmen wir die Metro zum Quartier latin, das eigentlich nur aus einer einzigen Strasse besteht und heute, an einem Sonntag sehr ruhig anmutet. Und auch hier dominieren Starbucks & Co. Dann halt weiter zum Village, das heute ebenfalls verwaist ist, aber zusätzlich mit allerlei zwielichten Gestalten bevölkert. Wir sind bedient für heute und machen uns auf den Heimweg.

Von Montréal nach Québec
Auch nach längerem In-Uns-Gehen sind wir nicht sicher, wie wir am gescheitesten wieder auf die andere Seite des St. Lorenz-Stroms kommen. Als wir - ich mit Karte vor der Nase - halbherzig losfahren, hält bei der Ampel ein älterer Herr und steigt aus dem Auto um nachzufragen, ob wir Hilfe bräuchten. Er meint, wir sollten - „yeah, it’s a pain in the ass“ - den Tunnel wagen, trotz Staugefahr. Wir befolgen den Rat und kommen einigermassen gut aus der Stadt raus. Der Weg bis nach Québec  ist ein weiter, aber angenehm zu fahren. Wir fahren westlich dem St. Lorenz-Strom entlang, vorbei an Céline Dion’s Heimatstadt Charlemagne und weiteren wohlklingenden Ortschaften wie Trois-Rivières. Irgendwo vor Québec müssen wir wieder unseren Kühlschrank aufstocken und stoppen bei einem Carrefour, und hier passierts: als ich die Dame am Infostand in impeccablem Französisch frage, wo denn die Alimentation sei, fragt sie mich, ob ich besser englisch spreche, weil für sie sei es kein Problem! Ich fühle mich wahnsinnig missverstanden! Ich bin daheim zwar von etlichen Seiten vorbereitet worden auf unhöfliche Begegnungen dieser Art, bin aber trotzdem nicht bereit mit einer schlagfertigen Antwort. Dafür finden wir heute den Campingplatz de la Joie auf Anhieb, und er ist herzig, dass es eine Freude ist.

20'000 Schritte in Québec
Am Vorabend haben wir noch den Shuttle vom Campingplatz gebucht, der uns um 9h früh nach Québec Stadt fährt. Der Fahrer setzt uns gleich am schönsten Ort von Québec ab, beim Château Fontenac. s. voriges Foto. Heute ist es wirklich frisch. Wir merken, dass wir nördlicher sind als die Tage vorher. Der Hoodie, den ich seit langem kaufen wollte, wird heute auf meiner Shopping-Liste sein. Wir machen zuerst eine Runde durch das alte Québec, sind aber so früh dran, dass die meisten Galerien und Geschäfte noch geschlossen sind. Im Schloss Fontenec, resp. im Starbucks, das sich im Hotel befindet (!) machen wir eine Kaffeepause . Wir ziehen nachher weitere Kreise, schliesslich haben wir den ganzen Tag Zeit bis 6 Uhr, und die Stadt ist nicht riesig. Mittlerweile zeigt mein Schrittzähler auf dem neuen Natel über 10‘000 Schritte an, und wir suchen einen Ort zum Mittagessen. Endlich kriege ich meine Poutine, ein kanadisches Nationalgericht und Mission zwei (Mission 1, der Hoodie ist abgehakt und bereits im Einsatz). Poutine ist eigentlich ein Fast-Food-Eintopf und besteht aus Fleisch, Pommes Frites, Käse (!) und „gravy“, also braune Sauce drüber. Schmeckt besser, als es klingt! In diesem St. Patrick Resto und auch im Starbucks sind alle sehr nett, im Gegensatz zu den vielen Verkäufern in Souvenir- und anderen Shops, die uns Touris als notwendiges Übel abkanzeln. 

Viel mehr gibt es – wenn man nicht in ein Museum will – eigentlich nicht zu tun in Québec, ausser die Wachtablösung bei der Citadelle zu bestaunen, was wir auch tun. Inzwischen sind wir bei 20‘000 Schritten angelangt und "creuvés"! Die Zeit, bis uns das Shuttle-Taxi abholt, überbrücken wir mit höcklen und Frozen Yogurt schlecken. Was mein drittes Ding auf der heutigen To do Liste war! 

Multi-Mapping
In Québec  bleiben wir anstatt wie geplant 3 Nächte nur deren 2. Und zwar nicht, weil es uns nicht gefällt, sondern weil wir die Distanz bis Ottawa sehr unterschätzt haben. Wir müssen noch einen Zwischenstopp in der Umgebung von Montreal einlegen. Deshalb fahren wir einen Tag vorher wieder westwärts. Unterwegs entdecke ich eine Ladenstrasse mit einem Outlet für unseren Jüngeren. Auch er hat seine Bucket-List mit 5 Sachen drauf. Unter anderem ein neues Portemonnaie. Hier wird er fündig. Sogar ich kaufe etwas im Skater-Shop, mein erstes Vans-T-Shirt ever. Wir umfahren heute Montreal grossräumig und nehmen Kurs auf St. Euniche auf. Es läuft gut für uns. Ich jongliere oft mit mehr als einer Strassenkarte, weil das Land so verdammt gross ist, dass auch Regionen auf verschiedene Karten drauf müssen. z.B. Québec und Ontario haben wir nicht auf der selben Karte. 

Auf unserem Plan sehen wir einen Ort namens OKA, der einen Campingplatz hat und am Wasser liegt. Das Glück ist auf unserer Seite, und wir kriegen einen Platz. Kaum als ich mit kochen angefangen habe , rufen mich die Kinder: “Mom, wenn Du einen Waschbären sehen willst, musst Du rauskommen“! Und tatsächlich streift einer seelenruhig neben uns im Halbdunkel durch das Unterholz. Beim Einchecken wurden wir darauf hingewiesen, die Türen zum Camper unbedingt abzuschliessen, weil die frechen Dinger so geschickt sind und Türen öffnen!

Heute gibt’s selbstgemachte Hamburger, unter erschwerten Umständen. Zuallererst ist das Hackfleisch noch steinbein gefroren, und dann klappt es mit dem Lagerfeuer nicht. Ich wechsle zum Gasherd, sehr unromantisch, und dabei schrillt der Feuermelder etwa 20 Mal los. Trotzdem sind die Dinger mit Kartoffelsalat sehr tasty und im Nu weg. Und den Camper verlüften kann man ja morgen wieder.

Beatrice Rieben - Life(Style), Confidence & Expat Coach