Kanada-Ferien, Part I Ontario

Bevor unser grosses Libanon-Abenteuer beginnt, steht uns noch ein anderes Abenteuer bevor: unsere Ferien in Ost-Kanada. Nach einer fast schlaflosen Nacht wegen einem zweifelhaften Essen am Vorabend gehts früh los. Zum Glück habe ich auf den Tipp einer Bekannten gehört und ein upgrade in die Premium Economy der Air Canada gebucht. Für einen verhältnismässig kleinen Zuschlag gibt es einen grossen Mehrwert wie z.B. separates Check-In und Einstieg, sowie Essen mit richtigem Geschirr und ohne Alu-Überzug und vor allem: viel mehr Beinfreiheit und Privatsphäre. Finden wir grad ganz super und hat sich gelohnt. Entsprechend entspannt kommen wir in Toronto an. Das Wiedersehen mit unseren Freunden wird ein gefreutes und tränenreich. Nach einem kleinen Schläfchen sind wir bereit für Drinks und BBQ und feiern unser Wiedersehen nach mehr als 2 Jahren.


Den ersten Ferientag gehen wir ruhig an. Zum Frühstück gibts Pancakes mit Maple Syrup, dazu Speck. Bis am Abend brauche ich nichts weiteres mehr zu mir zu nehmen... Anschliessend gehen wir in eine Mall - Hudson Bay, quasi der kanadische Globus. Ich brauche eine SIM-Card für die Ferien. Und die Buben "brauchen" ein paar T-Shirts. Am Abend gehen wir alle gemeinsam in ein brasilianisches Restaurant, im griechischen (?) Viertel Torontos. Im Sommer während der Ferienzeit gibts sogenannte "summerlicious"-Special Offers. Das Salatbuffet ist wunderbar, und das Fleisch kommt im 5 Minuten-Takt an Riesen-Spiessen an den Tisch geliefert. Erst wenn man genug hat, signalisiert man dies mittels kleinen Kärtchen "I'm done" oder eben "I'm still eating". Die obligate Samba-Show fehlt auch hier nicht; die Tänzerinnen sind top, hingegen die Musik-Band schaffts wohl nicht über dieses Lokal hinaus. 

Downtown Toronto
Meine Freundin fährt uns zur Metro Station Yorkmills. Ohne Auto wäre man hier ziemlich verloren . Von der Metro-Station bis ins Zentrum sinds ungefähr 20 Minuten. Bei King Street steigen wir aus. Häuserschluchten ähnlich wie in N.Y. begrüssen uns, und der Wind pfeift durch die Strassen. Nach anfänglicher Verwirrtheit finden wir uns zurecht und spazieren durch Downtown Toronto. Am besten gefällt mir der alte Markt und das Flat Iron gleich nebenan. Leider muss man einfach zu lang anstehen beim CN Tower für unseren Geschmack, deshalb findet dieser ohne uns statt.  Heute spielen die Blue Jays im Rogers Stadion, und es scheinen Tausende von blau gekleideten Fans unterwegs zu sein zum Spiel. Wir essen an der Harbourfront zu Mittag, für die Kinder ein erstes von vielen noch folgenden Hamburgern/Club Sandwichs. Nach einem Abstecher ins Chinatown gehts wieder heim zu. Den Abend verbringen wir im Cricket-Club unserer Freunde. Wie hier üblich, sind sie seit Jahrzehnten Mitglied in einem Club.  Und da spielt sich ihr halbes Sozialleben ab. Man kann aber auch Tennis spielen, schwimmen, curlen oder eiskunstlaufen (!), schliesslich sind wir in Kanada und - obviously- Cricket spielen. In der Ahnengalerie findet sich auch der Name von Milos Raonic, der am Vortag im Halbfinal unseren Roger aus dem Wimbledon-Rennen warf. Heute findet die Cabannada (oder so ähnlich) statt, ein jährlich wiederkehrendes Fest für die Mitglieder aus der Karibik. Da kreisen Hüften und Becken wie verrückt und, mind you, die Mehrheit der Tanzenden sind Ü60! 

Toronto Islands
Das Wetter ist jeden Tag grandios: heiss und feucht. Wir werden wiederum von unserem privaten Taxi zur Metro Station chauffiert. Und nehmen diesmal die Metro bis Union Station. Von dort gehts zu Fuss bis zur Station der Fähre, die uns rüberbringen soll nach Toronto Islands. Man marschiert jeweils kilometer-weit, von Station zu Station. Wir sind natürlich nicht die einzigen Leute, die (an einem Sonntag) auf die gleiche Idee kamen. Zu Dutzenden stehen sie in Familienverbünden an, beladen mit Grills, Kühlschränken, Velos, Anhängern, etc. Wir sind wohl die einzigen, die ohne irgendetwas unterwegs sind. Selten habe ich an einem Ort so viele Kinderwägen gesehen. Nun denn: Die Inseln, die nur etwa 10 Fährminuten von Toronto entfernt sind, sind autofrei, und man kann Velos, Tandems, Vierer-Velos mieten. Was wir machen. Velos mit Rücktritt-Bremsen! Es fägt sehr, und wir kommen schön vorwärts. Auf der Insel gibts neben einem Yachtclub auch eine Kirche und einen FKK-Strand (!), und die Völkerwanderung von vorhin verteilt sich wunderbar. 

Erster Tag im Camper Van 
Heute gönne ich mir meine letzte lange Dusche inkl. Haare schön machen in der Zivilisation, bevor unser Camperleben für die nächsten 16 Tage los geht.  Wir brauchen fast eine Stunde bis nach Bolton, wo wir unser Motorhome übernehmen. Das soll ein kleiner Vorgeschmack darauf sein, wie lange es dauert, sich grundsätzlich von A nach B zu verschieben. Nachdem wir das Einführungs-Video geschaut und den Papierkram erledigt haben, gehts los. Als erstes in den Walmart. Eine gute 1 1/2 Stunden später und 350 Dollar leichter kommen wir wieder raus. Das erste Sandwich-Zmittag gibts stilgerecht auf dem Parkplatz vor dem Einkaufszentrum. Via Oshawa (wo die General Motors Werke sind)  gehts mehr oder weniger dem Ontario Lake entlang Richtung Kingston. Die ersten 50 km ziehen sich wegen des immensen Verkehrs über Stunden hin, und wir sind kaum aus Toronto wieder heraus, als wir bereits einen Kaffee benötigen. Wir versuchen vor dem Eindunkeln auf einem KOA-campsite 1000 islands unterzukommen und haben Glück. Vor Eindunkeln docken wir an. Wir haben heute das ganze Paket mit Elektrizität, Wasser und Wi-fi (extra) gebucht. Hingegen an den Mückenspray haben wir nicht gedacht. Trotzdem schlafe ich absolut tief und traumlos. 

Campen am Charleston Lake
Wiederum herrlich erholt aufgewacht - alle "Sörgelis" aus der Schweiz schein ich dort gelassen zu haben. Wir frühstücken landestypisch Fruit Loops und Peanut Butter und kalte Schoggi von Neilson. Dabei beobachten wir die frechen Eichhörnchen.

Als erstes und noch vor dem Losfahren üben wir (also genauer die Jungs, ich gucke zu) den Dump zu leeren, was bestens klappt. Dann fahren wir wieder Richtung Kingston. Zwei Stunden später sind wir endlich in Downtown, wo es leider unmöglich ist, unseren RV (kurz für Recreation Vehicle by the way) zu parken. Wir entscheiden uns deshalb, fortan kleineren Städtchen den Vorrang zu geben. Was dann wunderbar klappt im herzigen Gananoque, wo wir einen Kaffee-Stop machen. Wir sind nun auf der Landstrasse unterwegs. Dies hat den Vorteil, dass wir mehr sehen von der Landschaft und den 1000 Islands und auch gemächlicher vorwärts kommen als sonst schon. Gegen Abend steuern wir Charleston Lake Provincial Park an, einer von unzähligen Parks in der Provinz Ontario (www.ontarioparks.com). Der Hubby und ich machen von unserem Parking Site aus einen Spaziergang zum Strand - es ist so riesig auf dem Campingplatz, dass wir ungefähr 20 Minuten unterwegs sind. Dann gönnen wir uns ein erfrischendes Bad im See. Genau so habe ich mir Kanada vorgestellt. 

Am Abend feuern wir dann zum ersten Mal richtig ein. Zwei Angus Beef-Stücke AAA, insgesamt ein gutes Kilo Fleisch geben wir auf den Grill. Dazu Kartoffeln mit Sauerrahm und Salat. Wunderbar. Nach einem gegrillten Marshmellow zum Dessert gehen wir rauchig aber glücklich ins Bett.

Beatrice Rieben - Life(Style), Confidence & Expat Coach