Full House and a Trip to Tripoli

Ein Halleluja für geräumiges Wohnen und mehrere Badezimmer, wenn man viel Besuch auf einmal bekommt. Bis vor wenigen Tagen waren wir hier zu 8. Zuerst reisten zwei gute Freunde meiner Jungs an, auf dem selben Flug und zum ersten Mal ohne Eltern ausserhalb von Europa unterwegs. Randnotiz: Alleinreisende Jugendliche brauchen ein Visum für den Libanon. Ein paar Tage später kam eine Freundin von mir aus Paris an und nochmals 2 Tage später ein anderer Freund unseres Älteren. Zu allen möglichen und auch unmöglichen Zeiten fahren wir in verschiedener Zusammensetzung an den Flughafen, holen und bringen die Lieben. Die Stimmung ist grossartig, und es wird viel gelacht und geneckt. Am Montag morgen kommt Barbara, die uns 1-2 mal pro Woche im Haushalt hilft, sie kümmert sich diesmal auch um Stella, während wir weg sind und hat sich schon seit längerem darauf gefreut.

Unser Toyota Prado ist bis unters Dach gepackt mit Teenagern und overnight-Bags, es geht los Richtung Norden, die erste Station ist Byblos. Diese kleine Stadt am Meer ist bisher mein Lieblingsort im Libanon. Byblos , auf libanesisch Jbeil, und Namensgeber für die Bibel war gemäss archäologischen Funden bereits vor 7000 Jahren bewohnt und Ursprungsort für das Alphabet. Was nicht schlecht ist für ein kleines libanesisches Fischerdorf von mittlerweile 40'000 Einwohnern. Byblos mutet sehr mediterran und mittelalterlich an. Es gibt viele herzige Restaurants, die Hälfte davon mit einem „é“ im Namen versehen, gehört ein und derselben Familie Eddé (Eddésands zB., etc). Im ersten Café, éCafé, nehmen wir unser Frühstück ein und machen dann einen Spaziergang durch die kleine Altstadt.  Die Stadt hatte ihre Blütenjahre in den 60ern, wovon unzählige Fotos mit internationalen Berühmtheiten an den Wänden des berühmten Pepe’s Byblos Fishing Club zeugen. Wir entdecken darauf Brigitte Bardot, Marlon Brando etc. 

Touristen hat es heute wenige, wie überall im Libanon, dafür sind die Verkäufer nicht pushy wie an anderen Orten der Welt. Wir teilen uns auf, die Giele besorgen Souvenirs für daheim, während der Hubby und ich die Burg erkunden. Dort im Gras setzen wir auch die Baby-Schildkröte  „Gucci“ wieder aus, die die Kinder am Vortag bei jemandem im Garten in Batroun „gefunden“ haben. Am Nachmittag fahren wir weiter Richtung Tripoli. Für heute haben wir genügend Sight-Seeing betrieben, und wir fahren direkt zum Hotel, dank unserer neuen „Waze“ App kein Problem.

Wir geniessen die letzten Frühlingsstrahlen der Sonne im wunderbar gepflegten Hotelgarten des Chateau des Oliviers und dazu eine Minzen-Limonade. Life is good.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück fahren wir in die Stadt Tripoli und machen zur Sicherheit ein Foto vom Ort, wo wir unseren Wagen parkiert haben. Was sich im nachhinein als weiser Entscheid entpuppt. Wir verschwinden nämlich kurz darauf im Gewusel der Stadt und haben keine Ahnung mehr, wo Norden oder Süden ist, geschweige denn unser Auto. Bei der Moschee spricht uns ein Mann an und bietet uns an, uns die Stadt zu zeigen, also buchen wir ihn für eine Stunde. So bekommen wir in kürzester Zeit die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu sehen, ohne uns dabei zu verlaufen und zu verlieren. Wir schauen uns den neuen und alten Souk an, sowie einen Hamam, also eine öffentliche Badeanstalt, die erst seit Anfang 70er Jahre geschlossen ist.

Ebenfalls geschlossen ist die Koranschule, die uns Ali zeigt. Dafür blüht das Seifengeschäft Sharkass Soap, ein Familienbetrieb, der bereits in der sechsten Generation produziert und ein echtes Highlight ist.

Seifen, die in der Hauptsache aus Olivenöl gearbeitet werden, sind ein typisches Souvenir aus dem Libanon, und wir unterstützen den Betrieb tatkräftig. In den Strassen von Tripoli werden wir überall neugierig beäugt, Touristen sind hier eher selten, werden aber sehr freundlich willkommen geheissen, und ich ernte bewundernde Blicke für meine vier vermeintlichen Söhne! Tripoli ist im Vergleich zu Beirut sehr ärmlich und heruntergekommen, aber nicht unsauber. Frau verhüllt sich hier eher und kleidet sich bescheiden. Auf den Strassen entdecken wir unzählige alte Mercedes’ aus Europa, zT. noch mit den BRD-Klebern drauf. Mir gefällt Tripoli für einen Besuch sehr gut, ich fühle mich sicher und geniesse das arabische Flair. Nachdem wir unser Auto wieder gefunden haben, machen wir uns nach Beirut auf, immer schön dem Meer entlang, zur knalligen Musik der Teenager-Handys: ein Mix aus Berner, deutschem und amerikanischem Rap -  passt irgendwie auch.    

Beatrice Rieben - Life(Style), Confidence & Expat Coach