Ein paar Tage in Amman

Am Montag, 21. November ist noch Schule, aber am 22. Ist libanesischer Unabhängigkeitstag und danach wird Thanksgiving gefeiert, deshalb haben die Kinder ab Dienstag die ganze Woche frei. Per Zufall hat der Hubby genau zur gleichen Zeit beruflich in Amman zu tun. Wo ich schon immer hinwollte. Ich würde mit den Kindern Amman entdecken, er würde arbeiten – extrem ungerecht verteilt. Nach Petra und ans Tote Meer reisen wir dann alle gemeinsam.

Wir fahren also am Abend um 5 Uhr los (Stella haben wir am Vortag mit dem neuen Auto in die Berge gebracht, zu einer jungen Frau aus Weissrussland, die eine Zucht und Hüetihort führt. Auf dem Weg dorthin, noch nicht ausserhalb unseres Quartiers, hat das Hundchen bereits tüchtig den neuen Wagen eingekotzt… Trotz Motilium und chüderle).

Man sollte wegen der Sicherheitskontrollen 3 Stunden vorher am Flughafen sein. Heute geht’s relativ rasch, und nur der Zollbeamte schaut etwas stober, als er den Notpass meines Sohnes begutachtet. Dann sind wir weg. Und kommen um kurz vor 10 Uhr im kalten Amman an. Amman liegt auf ca 1000 m, deshalb ist es hier um einiges kühler als daheim in Beirut. Wir brauchen alle sofort eine warme Dusche.

Am nächsten Tag muss der Hubby früh los, wir liegen noch etwas länger in den Kissen und nehmen nach dem Frühstück ein Taxi zu der Citadelle, bei der Altstadt von Jordanien. Es sieht hier wesentlich arabischer aus als in Beirut, wie ich finde. Ursprünglicher, man wird als Fremde mehr angestarrt, aber die Menschen sind auch hier genauso gastfreundlich. Es ist leider (für Jordanien) wenig los und hat kaum Touristen in der Stadt. Man begegnet immer den gleichen paar Nasen. Trotzdem wollen wir keine Führung auf der Citadelle und uns selber umschauen. Der Taxifahrer Mohammed wartet auf uns und bringt uns weiter zum Amphiteater und zur Altstadt mit Gemüse- und Gold-Souk. Dort treffen wir zufälligerweise auf einen Jordanier, der in Berlin grossgeworden ist und uns anspricht, als wir etwas ratlos herumstehen. Er nimmt uns gleich mit zum Restaurant, wo er sowieso hin wollte. Den Resto-Tipp vom Lonely Planet verwirft er, weil es hygienisch grenzwertig sei. Und viele Kunden nach einem Besuch Magenprobleme hätten. Das wollen wir natürlich nicht. Stattdessen bringt er uns zum Hotel/Restaurant Pasha, das auch ein Hammam ist und auf der Dachterrasse Kleintiere hält. Der Koch sei ein Sudanese, der wirklich vorzüglich kocht. Das ganze Lokal ist urgemütlich und einladend. Nebst vielen Insider-Tipps hilft uns Isam auch, eine SIM-Karte zu kaufen, Kopfbedeckungen für die Wüste sowie leckere jordanische Baklava und arabischen Kaffee. Und wir investieren in die jordanische Wirtschaft, genau wie es sein sollte. Danach geht’s nach Hause, wieder unter die warme Dusche. Dort steht bereits der Hubby, der auch fast verfroren wäre heute. Wir ziehen uns warm an und lassen uns zu einem befreundeten Paar bringen, die wir aus unserer Zeit in Sri Lanka kennen. Es wird ein sehr freudiges Wiedersehen, und wir verbringen einen angeregten Abend, die Kinder spielen Pingpong in der Wohnung. Dann falle ich hundemüde ins Bett.

Nachdem wir den Vortag in der Moschee und in der Mall verbracht haben – we had to step up our game – Daunenjacken und Wollpullover mussten her sowie Strumpfhosen für den nächsten Tag. Obwohl ich in meinem Jordanien-Reiseführer gelesen habe, ist mir entgangen, dass es in Petra noch kälter sein würde als in Amman, nämlich zwischen 3 und 13 Grad. Zum Glück haben wir wenigstens schon die Arabischen Tücher. Mit dem jüngeren Buben wird das Einkaufen auch nicht einfacher, es pubertiert allenthalben. Am Abend steht ein Abendessen beim Berufskollegen des Hubbys an. Und dann sind auch für ihn ein paar freie Tage angesagt.

Beatrice Rieben - Life(Style), Confidence & Expat Coach