Baden im Toten Meer

Der Bruder des Fahrers, der uns nach Petra chauffiert hat, holt uns am nächsten Tag ab, um uns zum Toten Meer zu bringen. Die erste Stunde der Fahrt führt uns durch eine mondähnliche öde Landschaft, nichts Erwähnenswertes. Ausser dass Jad erzählt, dass es im Winter bis zu einem Meter Schnee hat hier oben. Auf dem zweiten Teil der 3stündigen Reise wird’s richtig spektakulär. Vor uns breiten sich die wunderschöne Berglandschaft Jordaniens aus. Und die Sicht reicht bis nach Israel obwohl wir per Roaming in Palästina begrüsst werden…  Wir stoppen quasi auf der Passhöhe und geniessen dort ein arabisches Kafi und die grandiose Aussicht sowie einen Pipi-Halt unter fast freiem Himmel.

Als wir auf der Höhe vom Toten Meer sind, machen wir nochmals einen Stopp bei der Lotsäule. Erinnert Ihr Euch auch vage an die Geschichte mit der zur Salzsäule erstarrten Person aus dem Religions-Unterricht, als  der an öffentlichen Schulen noch stattfinden durfte. Im Tanach, der hebräischen Bibel, ist Lot die Hauptfigur der Erzählung vom Gottesgericht über die Stadt Sodom. Als zwei Engel in der sündigen Stadt Sodom (der Ausdruck Sodom und Gomorra stammt ebenfalls von hier) nach Gerechten suchen, die von der drohenden Zerstörung Sodoms durch Gott gerettet werden sollen, nimmt Lot die zwei Fremden bei sich auf. Die Sodomiter fordern die Männer für sich, um über sie herzufallen, worauf Lot aus Verzweiflung der Meute seine jungfräulichen Töchter anbietet. Die Engel bewahren die Familie vor dem Mob, führen sie vor die Stadt und gebieten ihnen zu fliehen. Als Lots Ehefrau, deren Name in der Bibel nicht erwähnt wird, während der Flucht entgegen dem Verbot der Engel zurückblickt, erstarrt sie zu einer Salzsäule. Dabei handelt es sich möglicherweise um eine Felsformation oder eine Gesteinsausblühung nahe Ĝebel Usdum südlich des Toten Meeres, die wegen ihrer auffälligen Form eine Ortslegende begründete. Weitere Varianten der Geschichte findet Ihr hier: )

Wenig später treffen wir im Hotel Holiday Inn am Badeort Sowayma ein. Es ist deutlich wärmer, ich kann mir bereits ein Bad im Toten Meer vorstellen. Das Tote Meer liegt auf 420m unter Meer (ursprünglich 396) und ist der somit der am tiefsten gelegene See der Welt, ohne Abfluss. Seine Wasseroberfläche wird noch häufig mit Werten um 396 m unter dem Meeresspiegel angegeben; tatsächlich liegt der Wasserspiegel des nördlichen Teils aufgrund fortschreitender Austrocknung bereits seit einigen Jahren mehr als 420 m unter dem Meeresspiegel. Das Tote Meer ist 90 km lang und an der breitesten Stelle 17km breit. Es grenzt an Israel, Jordanien und Westjordanland.

Das Klima am Toten Meer ist ganzjährig sonnig bei geringer Luftfeuchtigkeit. Heute ist es etwas über 20 Grad, mit leichtem Wind.  Der Salzgehalt des Toten Meeres liegt bei bis zu 33 %. Zum Vergleich: Der Salzgehalt des Mittelmeeres liegt bei durchschnittlich 3,8 %. Weltweit gibt es aber weitere Seen, die noch salzhaltiger sind als das Tote Meer. Aufgrund des hohen Salzgehaltes und der damit verbundenen hohen Dichte trägt das Wasser den menschlichen Körper, man kann allerdings dennoch ertrinken. Es gibt sehr viele Beinah-Ertrink-Unfälle. Wie diese Touristin verlieren viele Menschen das Gleichgewicht und schlucken dann grosse Mengen an Wasser. Dies ist lebensgefährlich, da es schwere Lungenverletzungen verursachen kann. Grad heute verliert eine Chinesin die Balance und landet kopfüber im See. Das Salz verursacht an kleinsten Hautverletzungen brennenden Schmerz. Trotz alledem macht es natürlich vor allem Spass, im Toten Meer zu baden. Schwimmen hingegen ist nahezu unmöglich: Liegt man auf dem Bauch, zieht es einem die Beine hinten aus dem Wasser, liegt man auf dem Rücken, kann man wirklich die Zeitung lesen. Die vielen Mineralien des Toten Meeres haben eine heilende Wirkung bei Hautkrankheiten, wie bei Neurodermitis oder Schuppenflechten. Hier bietet sich ein Kuraufenthalt an. Wir gönnen uns auf jeden Fall am nächsten Tag noch ein schönes Schlammbad, das verjüngend, entschlackend und überhaupt verschönernd wirkt. Mit samtig weicher Haut steigen wir ins Flugzeug und fliegen an diesem Abend nach Beirut zurück, mit vielen schönen Erlebnissen im Gepäck - und allerlei Souvenirs.

Beatrice Rieben - Life(Style), Confidence & Expat Coach