auf Wohnungsbesichtigung

Am Morgen ziehe ich alleine los und nehme ein Taxi Richtung Achrafieh. Dies ist die Gegend, in der wir gerne wohnen möchten. Taxifahrten sind hier auch ein besonderes Erlebnis, man könnte Beirut im nächsten "Night on Earth"-Film einplanen. Heute zum Beispiel bin ich nicht alleine, der Fahrer hat bereits zwei Passagierinnen im Wagen. Das nennt sich ein Service-Taxi und kostet eigentlich nur 2000 Lira, für mich als Noch-Touristin aber der normale Preis von 10'000 Lira...

Ich treffe mich also mit Fatima, die für eine Agentur arbeitet und uns schon im Frühling behilflich war beim Suchen. Leider kam es damals nicht zum Abschluss, weil diese Kanadier-Familie das Angebot des Besitzers überbot und uns die Wohnung wegschnappte... Ich sehe mir in den nächsten zwei Stunden einige Wohnungen an. Bei einer davon habe ich das Gefühl, dass sie zwar nicht super-herzerwärmend ist, aber genau am richtigen Ort steht und solide daherkommt. Something to work with, eben. Es stellt sich dann mit dem Besitzer heraus, dass der Hubby die Wohnung vorige Woche mit einer anderen Agentur gesehen hat und vor allem das genau gleiche erzählte. Hier bleiben wir dran. Ich sehe auch eine sehr moderne Wohnung mit Gym und kleinem Pool - aber leider an einer lärmigen Strasse, und zum Teil mit Glasfenstern von oben bis unten, was ich gar nicht mag. Am Mittag gehe ich kurz heim, um zu schauen, wie es Kindern und Hund geht und ziehe erneut los, mit einer anderen Agentin und neuem Taxi. Diese Agentin, Maria, hat eine neu renovierte Wohnung in einem alten Haus im Angebot. Die Marmorböden und alten Fenster sind sehr schön, die Gegend ist ruhig und anmächelig. Ich werde leider das Gefühl nicht los, dass die Frau nicht ehrlich ist mit mir. Die Schule nebenan ist zwar noch geschlossen, generiert (erfahrungsgemäss) aber bestimmt einen unglaublichen Verkehr, was Maria aber vehement bestreitet. Als ich noch erfahre, dass das Haus keinen Generator hat sondern einen Vertrag mit anderen Häusern im Quartier für einen gemeinsamen Generator (genau wie das AirBnB, in dem wir vorübergehend wohnen), ist die Sache für mich definitiv erledigt. Zu frisch sind unsere Erlebnisse mit unserem alten Kolonialhaus in Sri Lanka. Ich verabschiede mich in Achrafieh dankend von ihr, und steige gleich gegenüber ins Auto der dritten Agentin Sandra, einer Französin, die sehr entspannt ist und nicht pushy. Bei ihr dünkts mich, sie versteht auch, was wir wollen und versucht nicht, uns zu sagen, was wir brauchen. Sie hat es auch geschafft, in Kontakt mit dem Besitzer zu kommen für eine Wohnung, die im gleichen Haus ist, wie die Wohnung, wo jetzt die fiesen Kanadier wohnen. Und diese schauen wir uns jetzt an. Leider ist es eben überhaupt nicht dasselbe: überall Glas und keine Balkone mehr, wie man auf dem Bild sieht. Und auch keine tollen Mosaikböden mehr. Schade. 

Als ich am Abend meine Fotos und Filmchen den anderen Familienmitgliedern zeige, haben sich bei mir bereits Quartiere und Namen vermischt, und im Bett ziehen Wohnungen und Badezimmer wie ein Tetris-Spiel an meinem geistigen Auge vorbei.

Beatrice Rieben - Life(Style), Confidence & Expat Coach