Auf den Skis

Ferien sind dafür da, mal auszuschlafen und sich zu erholen. Nach den ersten Monaten im Libanon sind wir alle müde von der Umstellung und den damit verbundenen Emotionen.  Deshalb heute die Devise: schlafen, bis man nicht mehr kann. Das Frühstück fällt im Faraya Village sowieso mager aus: Erstens muss jedes Produkt einzeln bestellt werden, der Cappuccino  vom Hubby kommt als 3-in-1 Zusammenschütt-Pulver daher, die "Ovo" der Jungs ebenfalls und wird in Wasser angerührt, nicht Milch... Dazu Aufback-Gipfeli. Dafür alles aufs Zimmer geliefert, in viel Wegwerf-Verpackung.  Es gibt meiner Meinung nach diesbezüglich noch Raum nach oben. 

Nachdem jeder seine mehrschichtige Winterbekleidung übergeworfen hat, kanns endlich losgehen. Das Skigebiet Kfardebian/Mzaar liegt etwa 10 Autominuten entfernt von Faraya. Und je höher wir steigen, desto mehr Schnee liegt an den Hängen. Mzaar Kfardebian ist bekannt als grösstes Skigebiet im Mittleren Osten. Es hat mehr als 20 Lifte und 50 Abfahrten. Mzaar liegt auf ca 1800 m über Meer, und tatsächlich: es schneielet und geht ein kühler Wind. Trotzdem sind einige Lifte geöffnet und wir wollens heute wagen. Diejenigen, die keine Skis haben, mieten welche (der Hobby und myself), dann brauche ich einen Helm und richtige Handschuhe. Der Laden hat alles, was das Herz begehrt. Sogar ur-alte Einteiler, die alle gleich ausschauen und ebenfalls gemietet werden können. Leider bin ich zu aufgeregt, um ans Fotografieren auch nur zu denken. Auch wird einem hier geholfen beim Anziehen. Da schon Mittag ist, kaufen wir noch eine Halbtageskarte für heute, insgesamt kostet dies für die ganze Familie 100'000 libanesische Pfund, also etwa 65 Dollar, um Euch einen Eindruck zu vermitteln. Sicher nicht ein Vergnügen für jedermann. Es ist toll, wieder mal auf den Skis zu sein, obwohl ich eine schlechte Fahrerin bin. Beim Tellerli-Lift stellen wir uns hingegen alle ungeschickt an, man muss die Dinger selber greifen, und dann gehts ruckartig ab. Das Wetter ist nicht berauschend und wird immer schlechter, da haben sich die Wetterfrösche gar nicht getäuscht, und deshalb suchen wir schon bald Zuflucht im Ski-Resto bei der Tal-Station. Überall ziehts rein, wir loben uns die isolierte Bauweise in der Schweiz und bleiben gleich in den Skijacken sitzen. Dann wars das auch schon für den ersten Skitag, wir fahren wieder runter nach Faraya. Der Hubby gönnt sich eine Massage und ich eine Runde Gym und Sauna. Am nächsten Tag dann unerwartet "Grand Bleu". Nach unserem 5*-Frühstück gehts deshalb gleich los, heute haben wir ja bereits alles. Wir fahren mit dem Sessellift ganz hoch, bis auf ca 2400 m. Der Wind pfeift mir um die Ohren, hier oben gibts weit und breit keinen schützenden Baum mehr, und es sieht aus wie eine verschneite Dünenlandschaft. Von oben sieht man bei einem wolkenfreien Himmel im Westen das Meer und im Osten das Bekaa-Tal. Toni, unser alter Bekannter, hat vor wenigen Tagen ein neues Bergrestaurant in Betrieb genommen, das ebenfalls Walliser Spezialitäten anbietet. Irgendwie crazy: wir sitzen in Skischuhen im Libanon in einer Berghütte und teilen uns eine Rösti mit Raclette-Käse und Spiegelei sowie eine Zwiebel-Suppe, währenddem sich in der Schweiz die Leute über mangelnden Schnee beklagen.

Beatrice Rieben - Life(Style), Confidence & Expat Coach